‘Leidenschaft‘


Die Quelle

Dort hinter dem blühenden Kirschbaum,
der den erwachenden Frühling schmückt,
nah beim sanften Ginsterstrauch
findest du die verborgene Quelle.

Teile das Dickicht mit behutsamen Händen,
lausche, bevor du begehrend trinkst,
dem hellen Klang des grünen Felsens,
aus dem sie kühlend entspringt.

Tauche die dürstende Hand
in das perlende Dunkel des Spiegels,
netze mit ihm deine fordernden Lippen.

Spüre nach deiner brennenden Sehnsucht,
die den betörenden Sommer des Ginsters
unendlich hoffend tief in dir schon erahnt.

Quelle Wald r&g


[Verzeichnis der Gedichte]




Sehn.Sucht

Unsre Sehnsucht
ist wie das Spiel unsrer Kindheit,
voll Neugier und Staunen.
Die Zeit umfließt uns
mit einem Glanz von Ewigkeit;
wir fragen nicht nach Dauer;
nicht ein Erreichen zählt
und nicht ein Ziel.
Ein jedes Tun
trägt in sich das Ganze;
und alles wird uns Welt …
und alles Liebe.

Ping.Ruine


[Verzeichnis der Texte]




Dass wir mit unserm Feuer nicht alles verbrennen

In der Ferne bist du, Geliebte,
du teilst die Schatten der Wolken
und die Kälte der Nacht
mit anderen Menschen.

Du verbirgst vor ihnen
jene kleine Flamme,
die ich in dir entzündet.

Wenn du allein bist,
holst du sie heimlich,
und sorgsam hervor,
auf dass sie nicht erlischt.

Du wärmst dich an ihr,
schützend bewahrst du sie
vor den Stürmen des Tages.

Auch du hast in mir
eine Flamme entzündet,
wie kostbar ist sie mir
und tröstend in der Finsternis.

Reichst du mir im Traum
deine fordernde Hand,
dann erwacht meine Flamme,

sich mit deiner vereinend.
Die Sehnsucht entfacht sie.
Dass wir mit unserm Feuer
nicht alles verbrennen.

Sonnen Untergang w&p


[Verzeichnis der Gedichte]




© Werner Stangl Linz 2018