‘Sonette‘

Neues Übel für Herrn Kübel?

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Herr Kübel zeigt uns grad den Rücken,
denn Männer kamen früh am Morgen,
den Platz mit rotweißrotem Band zu schmücken.
Herr Kübel macht sich darob Sorgen.

Für wen entsteht hier ein Revier?
Herr Kübel fragt sich leis: Wozu?
Gilt es dem Hause, gilt es mir?
Und landet bald ein Kakadu?

Insgeheim mag Kübel hoffen,
Frau Rosa Sofa käm’ zurück …
Nein: lassen wir das lieber offen,

denn meist zerstört des Lebens Glück,
wenn Hoffnungen nicht eingetroffen.
An Elefanten Statt‘ kommt eine Mück’.


[Verzeichnis der Texte]





6. März 2016

Herrn Kübels Apokalypse

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Das Jüngste Gericht ist gerade vorbei
und hat die Welt befreit von allem Übel,
da sieht man unter all der Jubelei
auf einer Wolke sitzen den Herrn Kübel.

Blitzblank geputzt nippt er am Nektarglas,
doch wahrlich: glücklich wirkt er nicht.
Er knabbert Manna, ist ganz blass
und zeigt sein traurigstes Gesicht.

Sah er doch auf dem Weg hierher
im Höllenfeuer schmachten seine Frau.
Sie zu vergessen fällt ihm schwer,

zerbarst die Liebe doch im Supergau.
Auch wenn das alles lang lang her,
der blaue Himmel bleibt ihm dunkelgrau.

2. November 2015

Rosa Sofa 2.0

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[Fotos: Werner Stangl; Fotomontage: Benjamin Stangl]

Frau Rosa Sofa, längst vergessen,
und auch Herrn Kübels Schmach und Schmerz,
dass er sie nur so kurz besessen,
dass sie einst brach Herrn Kübels Herz.

An einem trüben, herbstgefärbten Tag
zeigt sich das Fatum ohne Gnaden.
Es traf den Dichter fast der Schlag:
er fand Frau Sofa abgeladen

zwischen Abfall unter einer Brücke,
wo man Gerümpel hingefahren,
lieblos entsorgt noch gute Stücke.

Wenn wir auch Zeugen dieses Dramas waren:
verdrängen wir des Schicksals Tücke,
Herr Kübel darf das alles nie erfahren.

12. Oktober 2015

© Werner Stangl Linz 2017