‘Sonette‘


Herr Kübel und Herr Drehstuhl

Herr Kübel seufzt grad aus dem Vollen,
denkt an Frau Sofa, Liebe, Glück,
da hört er neben sich ein Rollen:
Herr Drehstuhl rückt in seinen Blick.

„Der ist ja ziemlich ramponiert“,
denkt Kübel, doch er sagt es nicht.
Herr Drehstuhl aber kokettiert,
setzt auf ein schwärmerisch Gesicht:

„Na Schatz, wie wär es mit uns beiden?“
Herr Kübel ist darob erschrocken,
doch will Verletzung er vermeiden.

Herr Drehstuhl hört schon Hochzeitsglocken.
„Bin hetero und werd‘ es bleiben!“
erwidert Kübel staub und trocken.


Doch das ist lang noch nicht das Ende! Gibt es für Kübel eine Wende? Rosa Sofa 2.0




Neues Übel für Herrn Kübel?

kuebel-rotweissrot-band

Herr Kübel zeigt uns grad den Rücken,
denn Männer kamen früh am Morgen,
den Platz mit rotweißrotem Band zu schmücken.
Herr Kübel macht sich darob Sorgen.

Für wen entsteht hier ein Revier?
Herr Kübel fragt sich leis: Wozu?
Gilt es dem Hause, gilt es mir?
Und landet bald ein Kakadu?

Insgeheim mag Kübel hoffen,
Frau Rosa Sofa käm’ zurück …
Nein: lassen wir das lieber offen,

denn meist zerstört des Lebens Glück,
wenn Hoffnungen nicht eingetroffen.
An Elefanten Statt‘ kommt eine Mück’.


[Verzeichnis der Texte]








Herrn Kübels Apokalypse

sofa-hoelle
Das Jüngste Gericht ist gerade vorbei
und hat die Welt befreit von allem Übel,
da sieht man unter all der Jubelei
auf einer Wolke sitzen den Herrn Kübel.

Blitzblank geputzt nippt er am Nektarglas,
doch wahrlich: glücklich wirkt er nicht.
Er knabbert Manna, ist ganz blass
und zeigt sein traurigstes Gesicht.

Sah er doch auf dem Weg hierher
im Höllenfeuer schmachten seine Frau.
Sie zu vergessen fällt ihm schwer,

zerbarst die Liebe doch im Supergau.
Auch wenn das alles lang lang her,
der blaue Himmel bleibt ihm dunkelgrau.




© Werner Stangl Linz 2018