‘Sonette‘


Herr Kübel 2.0

kuebel-2.0

 

Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden;
so ist es wohl auch bei Herrn Kübel,
selbst wenn ihm doch in trüben Stunden
hochsteigt der Welten Schmerz und Übel.

Sein Alltag füllt ihn mit den Resten
und allem, was man so entsorgt.
Die Narrheit hält uns nur zum Besten:
das Glück im Leben bleibt geborgt.

Als Optimisten woll’n wir hoffen
und nicht enttäuscht von dannen gehen:
Herrn Kübels Schicksal hat uns tief getroffen.

Wir sollten es uns eingestehen,
den Vorhang zu, doch eine Frage offen:
Wie hätt’ der Nachwuchs ausgesehen?

Herrn Kübels Tränen

Herr Kübels Tränen

Herr Kübel weint gar bitt’re Tränen,
denn mitten in der Hochzeitsnacht –
ich frage: ist das ein Benehmen? –
hat sich Frau Sofa aus dem Staub gemacht.

So steht er nun, der Deckel offen,
verströmt Enttäuschung an die Luft.
In seinem Innern wohnt kein Hoffen
vorbei der Liebe rosa-süßer Duft.

Das Schicksal pocht in tiefen Terzen
und schmeckt so bitter wie Lakritzen.
Er fühlt nur Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen.

Wem ist zumute jetzt nach Witzen?
Doch fragt man sich ganz tief im Herzen:
Wer mag das Sofa jetzt be-sitzen?


Herrn Kübels Leben geht noch weiter: Herr Kübel 2.0

Die Esche

esche

An einem Feld steht eine Esche,
hat nachts verloren alle Bätter.
Sie schaut verwundert aus der Wäsche,
flucht über Kälte, Wind und Wetter.

Und im Bereich der Eschenwurzeln
beginnt ein Maulwurf unverfroren –
dort, wo die Menschen häufig purzeln –
ein riesengroßes Loch zu bohren.

Die Esch’ verfällt in Panik pur:
Ist hier zu End’ ihr irdisch Streben?
Urds Raben schweigen nur …

Zuletzt wird sie es überleben,
wird für die Siegkraft der Natur
ein neubelaubtes Zeugnis geben.

© Werner Stangl Linz 2017