‘Sonette‘


Rosa Sofa 2.0

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[Fotos: Werner Stangl; Fotomontage: Benjamin Stangl]

Frau Rosa Sofa, längst vergessen,
und auch Herrn Kübels Schmach und Schmerz,
dass er sie nur so kurz besessen,
dass sie einst brach Herrn Kübels Herz.

An einem trüben, herbstgefärbten Tag
zeigt sich das Fatum ohne Gnaden.
Es traf den Dichter fast der Schlag:
er fand Frau Sofa abgeladen

zwischen Abfall unter einer Brücke,
wo man Gerümpel hingefahren,
lieblos entsorgt noch gute Stücke.

Wenn wir auch Zeugen dieses Dramas waren:
verdrängen wir des Schicksals Tücke,
Herr Kübel darf das alles nie erfahren.


Wir haben später dann vernommen, dass es noch schlimmer einst wird kommen! Herrn Kübels Apokalypse




Herr Kübel 2.0

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Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden;
so ist es wohl auch bei Herrn Kübel,
selbst wenn ihm doch in trüben Stunden
hochsteigt der Welten Schmerz und Übel.

Sein Alltag füllt ihn mit den Resten
und allem, was man so entsorgt.
Die Narrheit hält uns nur zum Besten:
das Glück im Leben bleibt geborgt.

Als Optimisten woll’n wir hoffen
und nicht enttäuscht von dannen gehen:
Herrn Kübels Schicksal hat uns tief getroffen.

Wir sollten es uns eingestehen,
den Vorhang zu, doch eine Frage offen:
Wie hätt’ der Nachwuchs ausgesehen?


Herr Kübel und ein Angebot, doch größer wird nur seine Not: Herr Kübel und Herr Drehstuhl




Herrn Kübels Tränen

Herr Kübels Tränen

Herr Kübel weint gar bitt’re Tränen,
denn mitten in der Hochzeitsnacht –
ich frage: ist das ein Benehmen? –
hat sich Frau Sofa aus dem Staub gemacht.

So steht er nun, der Deckel offen,
verströmt Enttäuschung an die Luft.
In seinem Innern wohnt kein Hoffen
vorbei der Liebe rosa-süßer Duft.

Das Schicksal pocht in tiefen Terzen
und schmeckt so bitter wie Lakritzen.
Er fühlt nur Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen.

Wem ist zumute jetzt nach Witzen?
Doch fragt man sich ganz tief im Herzen:
Wer mag das Sofa jetzt be-sitzen?


Herrn Kübels Leben geht noch weiter: Herr Kübel 2.0




© Werner Stangl Linz 2018