‘Die Rampe‘


Nibelungen.Brücke

Brunhild & Kriemhild
uns ist in alten maeren
Zwei.Zeiten.Brücke
wunders vil geseit
Vor.Zeit & Un.Zeit
von vreude und hôchgezîten
entzweitest & verbandest
von helden lobebaeren
Zwei.Reich.Brücke
von grôzer arebeit
Reich & ge.Reicht
von weinen und von klagen
Zwei,Zonen.Brücke
von küener recken strîten
Zwei.Zungen.Brücke
muget ir nu wunder hoeren sagen
Gunther & Siegfried

nibelungen-bruecke


[Verzeichnis der Texte]

Abgedruckt in der Presse am 23. Mai 2015 Abgedruckt in der Presse am 23. Mai 2015

Sommer.Abend

Der Fluss lehnt an die Brücke
den abendlichen Glanz,
der Flug der Schwalben
spannt silbern ihren Bogen.
Gelassen duckt die Nacht sich
in die alten Gassen,
in ihrem Schoße reifen
die Bilder der Erinnerung,
aus denen schemenhaft
sich neue Träume formen.
Die Sehnsucht folgt den Spuren,
die unsre Herzen leise schrieben.
Zögernd nur trinken wir
den kühlen Abend,
der uns ein tröstlich Lager
für die Nacht verspricht.

abendstimmung


[Verzeichnis der Texte]

Fluss.Kiesel

Menschen sind wie Kiesel
am flachen Ufer des Flusses,
sie ruhen für eine knappe Zeit
umspült vom Leben.
Sie gleichen einander
und sind einander doch fremd.
Sie rollen im Wechsel der Wellen
ein Stück des Weges –
scheinbar –
im Gleichklang dahin.
Sie stoßen aneinander,
flüchtig und absichtslos,
sie finden sich
und werden getrennt
im Schicksal der Fluten.
Der Fluss holt –
irgendwann –
alle in das Dunkel
seiner einsamen Tiefe,
wo sie zerrieben werden
zum Sand des Vergessens.

Fluss Kiesel Flusskiesel


[Verzeichnis der Texte]

© Werner Stangl Linz 2017