‘Ein.Reimer‘


Glück: Wienerisch

Die Glücksforschung sagt,
wer permanent klagt,
jede Freude verjagt
und mit Sorgen sich plagt,
wird kaum alt und betagt.

Wer nie etwas Neues wagt
wird vom Versäumten geplagt,
bleibt am Ende ganz nackt.
Aus den Lenden dann ragt
Pechklee, von Zweifeln zernagt.

Jammerern sei’s also gesagt:
wer täglich die Glücksfee befragt
und zitternd sein Glückskeks benagt,
wird bald vom Pechfrosch bequakt,
kommt so aus dem Takt.

Von eitlen Wünschen geplagt,
hat Fortuna zur sinnlosen Jagd
nach dem Glücke Weises gesagt:
Das Glück is a Vogerl,
goa liab, owa scheu.
Es losd si schwea faungan,
owa fuatgflogn is glei.


Das Kursivgedruckte ist beim Vortrag zu singen.





Wirsch & Unwirsch

Unter dem wilden Kirsch-
baum verflucht ein Gärtner unwirsch
den wuchernd sprießenden Giersch.
Doch gar nicht wirsch
blickt auf der Pirsch
der Jäger, wenn hinter ihm knirsch-
t im Holze ein Hirsch.








Blatt.Wanzen

Während tagsüber bei Blattwanzen
die männlichen Wanzen
mit erigierten Lanzen
hinter den Blättern der Pflanzen
sich trefflich verschanzen,
tun dies hinter Pflanzen-
knospen die Emanzen
unter den weiblichen Wanzen
mit den üblichen Extravaganzen.
Daher können alle Wanzen
im Großen und Ganzen
nächtens die Gärtner pflanzen,
und ohne jegliche Impedanzen
paarungsbereit um die Pflanzen-
schutzmittel tanzen.


Veröffentlicht in Poesiealbum neu, Resonanzen, 2/2017, Steinbrech S. 43.




© Werner Stangl Linz 2018