‘Fluss.Gedichte‘


Bruckner.Park.Idyll

eisenbahnbruecke-linz-traeger

Auf einem rostfarbenen Lastkahn
strecken zerschweißte Träger der Eisenbahnbrücke
ihre Wunden in den blassblauen Sommersamstagshimmel.
Aus dem eventtruckzerpflügten Gras
starren das dunkelheitsverbrannte Bühnenrechteck
und die aneinandergereihten Sanitärquadrate
den Flanierenden vergelbt entgegen.
Von der fernverkehrenden Autobahnbrücke her
drängt sich hintergrundheischend das Rollen der Reifen
in das schweigende Fließen des Stromes.
Der aufbrechende Sommerflieder
reckt seine Blütenstände vergeblich
nach den heuer verspäteten Schmetterlingen.
Der Fußball im Käfig schlägt scheppernde Schneisen
in das Geschrei der Kinder aus dem Parkbad.
Die noch unverbauten Hänge des Pöstlingsbergs
drängen sich trockenbraun in das kritische Sichtfeld.
Das Polizeiauto patrouilliert schritttempiert
und wirkt wie immer deplatziert.
Der Wind blättert gelangweilt
in einer vergessenen Zeitung auf einer Parkbank.
Meine Erinnerungen ziehen mit den Wolken
aus dem verschimmernden Horizont der Vergangenheit
in den unaufhaltsamen Abend des Lebens.

sommerflieder


[Verzeichnis der Texte]


der fluss fragt

bin ich?
werde ich?
war ich?
zwängend gezwungen
in das ragen der felsen
brechend gebrochen
von den ufern verdammt
packend gepackt
kein bleiben
stets ein vorbei
reißend mitgerissen
ohne zeit
ohne augenblick
schlaflos und müde
im gerölligen bett
treibend getrieben
seid wachsam
bei den regen des frühlings

stammcafe


[Verzeichnis der Texte]

Die Rampe: Donau

Rampe

Das Heft 2/2014 der Literaturzeitschrift „Die Rampe” widmet sich der Donau, dem zweitlängsten Strom Europas, der von Donaueschingen bis ins Schwarze Meer zehn Länder durchfließt. Die AutorInnen dieses Themenheftes nähern sich dem großen Fluss auf vielfältige Weise: Sie beschreiben ihn in zarten und poetischen Bildern, als erotische Metapher, in Momentaufnahmen im jahreszeitlichen Rhythmus oder einzelner durchmessener Gegenden, aber auch als abgründiges und dunkles Gewässer, in dem Raubfische leben, Hochwasser Existenzen vernichten oder Menschen freiwillig den Tod suchen. Auch als Metapher für Freiheit und erlebte Freikörperkultur findet sich die Donau in diesen Texten – oder als Fluss, der auf aberwitzige Weise zum Verschwinden gebracht wird und eine apokalyptische Landschaft hinterlässt. Die 13 Beiträge umfassende Ausgabe liefert in jedem Fall einen weit gefassten und spannungsreichen Bogen, der Geschichte am und im großen europäischen Strom erzählt.

 

© Werner Stangl Linz 2017