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‘Jahres.Zeiten‘


Schmetterling

Wintertags unter dem Heizkörper
flehend-fliehendes Flattern
gleich dem Flügelschlag
des Schutzengels auf dem Bild der Kindheit.
So fand ich dich ängstlich suchend
nach dem Glanz der Sonne,
die kalt und klar vor dem Fenster stand.
Die Flügel von der Vergeblichkeit
zerzaust und müde.
Hilflos Hände und Gedanken.
Endlich.
Geborgen wie gefangen,
in der Höhle der Hände.
Zärtlich, allmählich ermattend,
dich in das Schicksal fügend.
Eine täglich erneuerte Schale mit Honigwasser
nah bei der Sommer camouflierenden Heizung
begleitete unsere Tage.
Im Gleichklang der Herzen
verband uns eine seltsame Sehnsucht
nach dem Frühling.
Mit Wehmut ersehnte ich den Tag,
an dem ein geöffnetes Fenster
dir eine wärmende Freiheit geben würde.
Der Winter war zu lang.
Ich hab dich beim ersten Gelb des Krokus begraben.

krokus gelb


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Frühling.Ritardando

Das Gelb schweigt
brennend
in den Sträuchern,
das Rosa schläft noch
in den winterlichen Ästen,
und alle andern Farben
träumen in den Wiesen.
Ein jeder Augenblick
ist ein Versprechen,
ein jedes Wort sucht
fragend
seinen Widerhall.
Als hielte eine unsichtbare Hand
den Lauf der Zeit.
Noch flüstern jene tausend Stimmen,
die bald den neuen Tag,
im Chor erbeben lassen.

ritardando


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Dezember.Wiesen

Der Regen hat den Schnee
auf den Dezemberwiesen
stumpf gemalt.
Die Äste beugen –
nah am Brechen –
beschwert sich nieder.
Das Schwarz der Stämme
zeichnet Säulen in das Grau,
die einen Himmel aus Stille tragen.
Das Glitzern ist verstummt
im See der bitt’ren Tränen.
Dein müdes Herz ist eingeflochten
in ein Gespinst aus tausend, abertausend Bildern,
die – leergeträumt – in dir verblassen.

dezemberschnee


Gelesen von Harald Brachner in der Sendung „My Country 46“ vom 10. Dezember 2013 (ab 7:45):


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© Werner Stangl Linz 2018