‘Kaffee.Haus.Gedichte‘

Menschen, die im Kaffeehaus frühstücken,
wollen nicht allein sein und hoffen auf Gesellschaft,
die sie beim Essen nicht stört.
Thomas Schmierer

Gewidmet dem Café Meier, Pfarrplatz 7, Linz an der Donau.


Café.Terrasse

Die Menschen,
die auf der Terrasse des Cafés sitzen,
wirken so alltagsfern unbeschwert.
Die Mutter bespricht mit ihrer Tochter
das nahe Wochenende,
die zwei schlecht gekleideten Lehrer
genießen den freien Frühlingsnachmittag.
Der smarte Vertreter
löffelt vorsichtig die Suppe,
und die zwei Frauen hinter mir
zerreden die verlorene Arbeit.
Der Kellner vergisst nur hie und da eine Bestellung,
und nur selten zerschneidet ein Moped
die Gemurmelmelodie.
Noch haben die Wespen
den Frühstücksschinken nicht endeckt.
Meine Tasse ist leer.
Der Verkäufer der Obdachlosenzeitung
spiegelt devot die Idylle.

Cafe Terrasse Linz Meier


[Verzeichnis der Texte]

Dieb.Stahl

Der Pianist im wochenmüden Café
hat irgendwann gewechselt,
die wohlbekannten Melodien
klingen fern und fremd.
Ich warte auf die Bilder,
lebe allein im Gestern,
das mir näher ist als alles,
was mich umlebt.
Erinnerungen schleichen sich
in die Gedanken wie Diebe,
die mir das Jetzt
so billig stehlen.
Zwischen den Melodien
zerrinnt das Leben,
aus dem was ist
wird ein was könnte sein …

Neuer Pianist im Meier


[Verzeichnis der Texte]

Kein Klavier im Café Meier

Kein Klavier im Meier heut’!
Dem Dichter fehlt die Inspiration,
so lauscht er stumm den Leut’
und der Kaffeemaschine Reibeton.

Manche Paare turteln vor sich hin,
manche schweigen sich nur an,
dem Lokal fehlt ein Kamin,
wo ein Feuer prasseln kann.

Zwischen Topfennudeln und Salat
dorren Blumen vor sich hin,
steh’n als Verse so parat.
Die Minuten zieh’n dahin.

Nestor bringt noch einen Spritzer,
Gäste schwinden in die Nacht.
Keiner sieht den coolen Flitzer,
so sei’s zu einem End’ gebracht.

Kein Klavier Meier Topfennudeln


[Verzeichnis der Texte]

© Werner Stangl Linz 2017