‘Linz.Gedichte‘


Bruckner.Park.Idyll

eisenbahnbruecke-linz-traeger

Auf einem rostfarbenen Lastkahn
strecken zerschweißte Träger der Eisenbahnbrücke
ihre Wunden in den blassblauen Sommersamstagshimmel.
Aus dem eventtruckzerpflügten Gras
starren das dunkelheitsverbrannte Bühnenrechteck
und die aneinandergereihten Sanitärquadrate
den Flanierenden vergelbt entgegen.
Von der fernverkehrenden Autobahnbrücke her
drängt sich hintergrundheischend das Rollen der Reifen
in das schweigende Fließen des Stromes.
Der aufbrechende Sommerflieder
reckt seine Blütenstände vergeblich
nach den heuer verspäteten Schmetterlingen.
Der Fußball im Käfig schlägt scheppernde Schneisen
in das Geschrei der Kinder aus dem Parkbad.
Die noch unverbauten Hänge des Pöstlingsbergs
drängen sich trockenbraun in das kritische Sichtfeld.
Das Polizeiauto patrouilliert schritttempiert
und wirkt wie immer deplatziert.
Der Wind blättert gelangweilt
in einer vergessenen Zeitung auf einer Parkbank.
Meine Erinnerungen ziehen mit den Wolken
aus dem verschimmernden Horizont der Vergangenheit
in den unaufhaltsamen Abend des Lebens.

sommerflieder


[Verzeichnis der Texte]


18. Juli 2016

Montag.Morgen.Gesichter

Unterwegs zum Bahnhof
begleiten den Weg durch die Stadt
Montagmorgengesichter.

Manche zögern sich schläfrigen Auges
in die Helligkeit,
manche scheinen auf der Flucht.

Die schlaftrunkene Altstadt
spuckt die Übriggebliebenen der Nacht
auf den erwachenden Hauptplatz.

Gefüllt mit stationsweise Eingesammelten
durchschneidet die Straßenbahn
den träge fließenden Wochenbeginn.

Magistratsbeamte
tragen ihre paragraphengeregelte Präsenz
in schmalen Aktentaschen
in das nahe Rathaus.

Die in der Fußgängerzone
bis zehn Uhr erlaubten Lieferautos
verhindern kurze Wege.

Boutiqueverkäuferinnen
streuen ihre Weekenderinnerungen
zwischen die farblich wohlgeordneten Regale.

Schüler mit Rucksäcken tragen
antizipierend den Geruch ihrer  Schule
in den Nasen.

Südeuropäische Bettler
üben die erfolgversprechendste Behinderung
und spendenerheischende Mienen.

Ein Kupfermuckenverkäufer
hält resignierend seine Zeitschrift
in die erwartete Nichtbeachtung.

Das Musiktheater
tönt seine verstummte Fassade
gegen den querungsförderlichen Volksgarten.

Der in seiner strömenden Geschäftigkeit
seltsam stille Bahnhof
tauscht die zügeweise sortierten Ankommenden
gegen die ungeordnet eintrudelnden Abfahrenden;
die ersten lassen sich ihrem Ziel entgegentreiben,
die andern setzen manchmal ein Lächeln auf.

montag-morgen-gesichter

4. März 2015

Facetten 2012

facetten 2012 kepplinger

In den von Franz Schuh herausgegebenen Facetten 2012 wurden fünf Linz.Gedichte, die im Linz Kultur Newsletter als „musikalisch inspirierte, assoziative Gedichte“ beschrieben werden, veröffentlicht:

Bruckner.Park
Nibelungen.Brücke
Schloss.Berg
Pfarr.Platz
Schmid.Tor.Straße

Bestellung der Facetten 2012: Literarisches Jahrbuch der Stadt Linz

facetten 2012

17. September 2012

© Werner Stangl Linz 2017