‘Wende.Zeiten‘


Schatten.Zeit

Du trägst dein Leben
wie ein vergilbtes Foto
in deinem Portemonnaie mit dir.
Brüchig geworden,
leergesehen die Gesichter
und austauschbar.
Die Namen leergesprochen,
dir fremd und fern,
längst unbeachtet im Gewirr der Zeit.
Wie lange ist es her,
dass du die Bilder
verglichst mit den Erinnerungen?
Einst Spiegel waren sie
und Ausblick.
Heut‘ das nur, was sie sind:
die Schatten deines Lebens.
Schattenzeit.

schattenzeit


[Verzeichnis der Texte]

28. Januar 2013

Umbruch.Stimmung

Das Fass mit altem Wein
ist leergetrunken,
die leergeträumte Nacht
versinkt im Grau des Morgens.
Die Ungeduld ist noch ein Ahnen,
noch schweigt das Land.
Kalt liegt die Sonne
über dem Möwentanz
auf trägen Wellen.
Die Seele hat noch keine Lieder.
Und in den Schatten
schläft der Zorn.

umbruch


[Verzeichnis der Texte]

1. April 2011

Wohin

Wohin ist das Vertrauen der Gebete der Kindheit?
Du hast die Menschen kennengelernt,
ihre Lügen und Träume,
ihre Wahrheiten und Enttäuschungen.

Du trägst ihre Gesichter mit dir,
ihre Grimassen und Masken.
Sie drängen sich vorlaut
in deine Träume und Tage.

Manchmal kannst du ihr Schweigen nicht ertragen.
Manchmal fordern sie deine Erinnerungen,
sind dir Spiegel und Hölle zugleich.
Trotzig sind die Gebete des Alters.

licht


[Verzeichnis der Texte]

14. Februar 2011

© Werner Stangl Linz 2017