Derridas Katze

Die Milch in der Küche
war sauer geworden
über Nacht.
Der fahle Tag
strich mit seinem Licht
durch die noch nachtblinden Scheiben
über mein Fell.
In die erwachende Stille hinein
tappende Geräusche
vom Schlafzimmer her.
Das Knarren der Tür zum Bad,
alltägliches Ritual.
Nicht die Zeit wert,
hinterherzuschlendern.
Der sauren Milch wegen
durch den arglosen Spalt zwängend,
erblickte ich ihn.
Nackt.
In seinem Blick: Scham.
Wär ich doch bei Schrödinger geblieben.

Veröffentlicht in Poesiealbum neu, Resonanzen, 1/2017, Lyrik & Wissenschaft, S. 39.

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[Verzeichnis der Texte]

… ::: Tier.Welt

Zu “Derridas Katze”

  1. Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger

    Es waren einmal zwei Brüder – Ying und Yang.

    Auf einem hohen Berg in der Nähe ihres Dorfes lebte ein alter Greis, von dem die Leute sagten, dass er alles wisse. Die beiden Jungen hatten sich nun in den Kopf gesetzt, dem alten Greis eine Frage zu stellen, die er nicht beantworten konnte.

    Stundenlang saßen sie auf einer Wiese und überlegten und überlegten, welche Frage sie dem Alten stellen könnten. Ying kletterte auf einen Baum, um besser überlegen zu können. Auf einem Ast neben ihm saß ein kleiner Vogel, der leise zwitscherte. Ganz plötzlich schnappte Ying sich den Vogel und hielt ihn in seiner Hand fest.

    Als er zu seinem Bruder Yang hinunterkam rief er: “Ich hab’s! Ich weiß, was wir den Alten fragen werden.” Er zeigte seinem Bruder den Vogel in seiner Hand und sagte: “Wir fragen ihn, was ich in der Hand halte!”

    “Er wird antworten, dass du einen Vogel in der Hand hältst.” erwiderte Yang wenig begeistert.

    Ying sagte: “Ich weiß. Aber dann werde ich ihn fragen, ob der Vogel tot oder lebendig ist! Und wenn er sagt, dass der Vogel lebt, dann drücke ich meine Hände zusammen. Wenn er aber sagt, dass der Vogel tot ist, dann lasse ich ihn fliegen!”

    Diese Idee fand auch Yang gut und so rannten sie aufgeregt den Berg hinauf zu dem alten Mann. Schon von weitem riefen sie: “Alter Mann, wir haben eine Frage für dich!”

    Der Greis saß meditierend vor seiner Hütte. Die beiden Jungen standen atemlos vor ihm. Nach einer Weile öffnete er langsam die Augen und blickte die beiden zappeligen Jungen an.

    “Alter Mann, wir haben eine Frage an dich!” sagte Yang.

    “So fragt.” antwortete der Greis.

    “Alter Mann, was halte ich hier in der Hand?” fragte Ying und die Brüder starrten den Alten gespannt an.

    Er schloss die Augen, dachte einen Augenblick nach und öffnete sie wieder. Er sagte:” Du hast einen Vogel in deiner Hand.”

    Ying guckte siegesgewiss zum Greis und fragt: “Nun denn. Weiser Mann, ist der Vogel tot oder ist er lebendig?”

    Daraufhin schloss der Greis seine Augen wieder. Ying und Yang wurden ganz ungeduldig und als er endlich seine Augen wieder öffnete, sprach er: “Mein Sohn. Ob der Vogel tot oder lebendig ist, das liegt ganz in deiner Hand.”

    Quelle
    Die beiden Brüder, der Greis und der Vogel.
    WWW: http://www.zeitzuleben.de/2711-die-beiden-bruder-der-greis-und-der-vogel/ (13-03-17)

  2. Jacques

    http://yourcatwasdelicious.tumblr.com/post/1174358430/jacques-derrida

  3. Jaques

    Als entscheidend für die tierphilosophische Entwicklung von Derrida ist die Begegnung mit seiner Katze im Badezimmer, die er in „L‘animal que donc je suis“ beschreibt: „Das Tier schaut uns an und wir stehen nackt vor ihm. Und vielleicht beginnt das Denken an genau dieser Stelle“ (1999, S. 260). Derrida meint in diesem Essay, ein Schamgefühl durch den Blick seiner Katze zu fühlen, weil er nackt im Badezimmer stand. Die Katzenaugen waren für ihn in dieser Situation ein Spiegel für das autobiografische Ich.

    Derrida, Jacques (1999). L‘animal que donc je suis. Paris Galilée.

Derridas Katze

© Werner Stangl Linz 2017