Flucht

Der Abend fragt dich nach dem Tag,
er fordert Antwort auf die Fragen,
die du im Lärm des Tages überhörtest —
oder nicht hören wolltest.

So fließt dein Leben in die leere Nacht,
hat keine Worte, keine Sprache,
konturenlos die fahlen Bilder,
verschattet die Gedanken.

Und wieder fürchtest du die Träume,
die dich mit ihrer Hoffnung täuschen
und im Erwachen deiner spotten.

Der Tag blickt in das fremd geword’ne Gestern,
das in der ew’gen Wiederkehr sich nicht erkennt,
und bricht in tausend neue Rätsel.

Tango Argentino
[Anton Kitzmüller: Bandoneon XV. Seriegraphie]


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Zu “Flucht”

  1. Paul Ernst

    Was der Mensch fliehen will, das bringt er mit an den Ort, an den er flieht.

Flucht

© Werner Stangl Linz 2017