Fünf Zehen

fuenf-finger
[Tuschzeichnung: Roswitha Panholzer 2015]

Fünf Zehen irren durch die Welt –
manche sind groß und manche klein –
dies Leben keiner recht gefällt:
kein Zehlein möchte einsam sein!

Drum drängen sie sich, dicht an dicht,
und wärmen ihre Glieder.
Wo ist die Rettung, wo ein Licht?
Manch‘ Träne fällt zur Erde nieder.

Doch die Erlösung ist nicht weit:
am Waldrand drüben sieht man stehen,
voll Sehnsucht und voll Einsamkeit,
ein Füßlein ohne alle Zehen.

So lenkt das Schicksal mit Bravour,
bringt alles doch zu einem Schluss
nach der Bestimmung der Natur:
denn Zehen brauchen einen Fuß.

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Zu “Fünf Zehen”

  1. Zehenforschung

    Übrigens sind Menschen mit geschlossenen Augen nicht in der Lage, ihre Zehen korrekt zu bestimmen, denn für ein Experiment ließen englische Wissenschaftler Probanden die Augen schließen und anschließend wurden ihre Finger oder Zehen nacheinander angetippt. Die Studienteilnehmer sollten nun bestimmen, welcher Zeh oder Finger berührt worden war.
    Probanden konnten Zehen nicht auseinanderhalten. Während beim Zuordnen der Finger hatten die Probanden in 99 Prozent der Fälle richtig lagen, war die korrekte Bestimmung der Zehen deutlich schwieriger, wobei die Trefferquote beim kleinen und großen Zeh 94 Prozent betrug, bei den mittleren Zehen aber nur bei 57, 60 und 79 Prozent lag. Irrten sich die Probanden, geschah das meist nach einem bestimmten Muster, d. h., der zweite Zeh wurde für den dritten gehalten und der dritte Zeh für den vierten. Die Bestimmung fiel noch schwerer, wenn am nicht dominanten Fuß getestet wurde. Beinahe die Hälfte der Probanden berichtete während des Experiments von dem Gefühl, dass ihnen ein Zeh fehlte, was vermutlich daran liegt, dass das Gehirn die Abgrenzungen zwischen den Zehen nicht genau wahrnimmt, sondern die visuelle Bestätigung durch die Augen benötigt, um zu spüren, wo ein Zeh aufhört und der nächste anfängt. Wissenschaftler nehmen daher an, dass die sensorischen Areale der Großhirnrinde Signale von den Zehen eher ungenau verarbeiten, sodass das Gehirn nicht jeden Zeh einzeln erkennt, sondern lediglich fünf grobe Bereiche, wobei die Grenzen dieser Bereiche aber nicht völlig mit den Lücken zwischen den Zehen übereinstimmen.
    Dieses Phänomen wird als Agnosie bezeichnet und beschreibt die Unfähigkeit des sensorischen Erkennens oder Deutens von Eindrücken, ohne dass elementare Sinnes- oder Aufmerksamkeitsstörungen vorliegen.

    Quelle: http://www.ox.ac.uk/news/2015-09-22-confusion-afoot (15-09-22)
    http://lexikon.stangl.eu/1009/agnosie/ (15-09-22)

Fünf Zehen

© Werner Stangl Linz 2017