goldene regeln des streitens

Sterzoder „wie man jeden konflikt gewinnt“

definiere zu beginn jeglicher auseinandersetzung deine position und das angestrebte streitziel – am besten in verbriefter form. lasse darüber aber den streitgegner während der auseinandersetzung im ungewissen und gib nur soviel vom angestrebten ziel preis, wie es im augenblick opportun ist.

zweifle nie an dir selbst und deinen zielen. beharre unbedingt und absolut auf dem einmal festgelegten standpunkt, was immer auch an argumenten und lösungsvorschlägen vom streitgegner, aber auch von dir selber in schwachen augenblicken kommen mag.

sichere dir die permanente beobachtung und auch mitwirkung der öffentlichkeit am streitfall. dem publikum ist bei jeder gelegenheit darzulegen, dass das recht auf deiner seite und der gegner trotz seiner sonstigen vorzüge dieses mal im unrecht ist. insbesondere verweise auf frühere kompromisse, die in diesem fall nicht möglich seien.

ziehe umfassende erkundigungen über das privatleben und die beziehungen deines gegners ein und lanciere diese erkenntnisse gezielt in einer qualifizierten öffentlichkeit. besonders bewähren sich gerüchte über finanzielle probleme des gegners oder dessen umfangreiches bzw. fehlendes sexualleben, was ein hohes interesse garantiert.

mache niemals kompromisse noch weiche jemals von deinem ursprünglichen ziel ab, sondern akzeptiere nur lösungen, die deine interessen maximal befriedigen. lösungsvorschläge des gegners sind daher prinzipiell zu ignorieren, da sonst das gesetz des handelns aus der hand gegeben wird.

stelle den gegner so oft wie möglich vor vollendete tatsachen, denn das erschwert ihm jeglichen kompromiss, den dieser, ermüdet vom streit, möglicherweise anbieten könnte. ein dergestalt frustrierter gegner wird allmählich an der sinnhaftigkeit der eigenen position zweifeln.

suche dir möglichst mächtige verbündete, die bereit sind, dir bedingungslos zu folgen, denn eine soziale übermacht schüchtert jeden streitgegner ein und isoliert ihn langfristig. versuche vor allem einige seiner freunde zu gewinnen. akzeptiere aber in keinem fall vermittlungsversuche dritter, denn der streit geht in diesem fall nur dich und deinen gegner etwas an.

wenn der streitgegner nicht einlenkt, so drohe diesem allmählich und mit einer überlegten eskalationsstrategie mehr oder minder auch physische gewalt als möglichkeit an, wenn er nicht nachgibt.

orientiere dich zur eigenmotivation an der seit menschengedenken bewährten grundregel, dass der gemeinsame untergang mit dem gegner allemal besser ist als jegliches zugeständnis. sterben müssen alle und feiglingen errichtet man kein denkmal.

es ist übrigens empirisch erwiesen, dass die wahrscheinlichkeit, die angestrebten ziele auch zu erreichen, mit der hier beschriebenen strategie weit über neunzig prozent liegt.


[Veröffentlicht in Streit/-Kultur. Sterz. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kulturpolitik Nr. 101, S. 21]

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Zu “goldene regeln des streitens”

  1. admin

    Lieber Yamun, hier handelt es sich um Literatur, nicht um einen Ratgeber in Konfliktlösung! Den findet man hier: Konstruktive Konfliktlösung

  2. Yamun

    schade, ich hätte was konstruktiveres erwartet als lauter Dinge, die so offenkundig mittelalterlich verkehrt sind

  3. Norman Ehlert

    schöne darstellung, wie man es nicht machen sollte… letztendlich geht es nur über win-win sonst hat man irgendwann keine freunde mehr und dieses machtgefühl bekommt irgendwann einen schalen beigeschmack …

  4. west

    nur zu, formulieren sie es undurchsichtiger und subtiler …

  5. Johannes Räpple

    hallo,

    ganz originell mal und anregend ..

    könnte man aber noch etwas subtiler darstellen, nicht gleich mit der holzhammer-methode; so wird es schnell durchsichtig

    gruß

    j.r.

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© Werner Stangl Linz 2017