‘Die Rampe‘


Fluss.Kiesel

Menschen sind wie Kiesel
am flachen Ufer des Flusses,
sie ruhen für eine knappe Zeit
umspült vom Leben.
Sie gleichen einander
und sind einander doch fremd.
Sie rollen im Wechsel der Wellen
ein Stück des Weges –
scheinbar –
im Gleichklang dahin.
Sie stoßen aneinander,
flüchtig und absichtslos,
sie finden sich
und werden getrennt
im Schicksal der Fluten.
Der Fluss holt –
irgendwann –
alle in das Dunkel
seiner einsamen Tiefe,
wo sie zerrieben werden
zum Sand des Vergessens.

Fluss Kiesel Flusskiesel


[Verzeichnis der Texte]




Herbst.Fluss

Der herbstliche Sturm
sticht mit seinen Rabenschnäbeln
ein verspätet blaues Feld
in die Wolkenlandschaft.

Ein Sonnenfeuer entzündet
das müde Laub der Äste,
der Wald lodert auf
zu einem letzten Gebet.

Der gleißende Schrei der Möwen
frisst das Glitzern des Flusses,
das Dunkel seiner Tiefe
tanzt auf den Kronen der Wellen.


[Verzeichnis der Texte]




Der Fluss

Der erste Schnee
liegt an der Böschung des Flusses,
der schläfrig und grau
die Fährnisse des Tages mit sich nimmt.

Schwarze Vögel schreiben
ihre eiligen Spuren,
die bald gelöscht sein werden
vom gnädigen Ostwind.

Der Fluss hat keine Erinnerung,
er verzeiht das Gestern,
doch er verspricht kein Morgen.
Lachen und Tränen sind ihm eins.

Er fordert nichts,
er kennt keine Sehnsucht
und hat keine Träume.

Weggabelung Wegkreuzung a&c


[Verzeichnis der Gedichte]




SIEB.10 @ 4711 ::

© Werner Stangl Linz 2020