Simone – Musa, mihi … *

Für den Dichter ist Simone –
was ich hiermit wohl betone,
auch mich selbst damit belohne –
eine wahre Reim-Ikone.

Quetsch’ ich morgens die Zitrone,
putze ich beim Zahn die Krone,
kaue ich an der Makrone:
immer denk ich an Simone.

Wenn ich bei meiner Freundin wohne,
mich beim Joggen manchmal schone
oder auf dem Throne throne:
immer denk ich an Simone.

Koch’ ich eine Minestrone
oder rühr’ ich Mascarpone
(Tiramisu geht halt nicht ohne):
immer denk ich an Simone.

Pflanz ich hurtig eine Bohne,
die beim Essen ich nicht schone,
dass das Furzen sich auch lohne:
immer denk ich an Simone.

Lad’ ich heimlich die Kanone,
fliege ich mit einer Drohne
oder einem Luftballone:
immer denk ich an Simone.

Als Redner such’ ich Mikrofone,
als Westernheld wohl die Patrone,
als Jungfrau werde ich Matrone.
Und immer denk ich an Simone.

Pflück’ ich eine Anemone,
weiß ich wohl, das geht nicht ohne
die Simone, die Simone,
die ich ab jetzt vom Reim verschone.


* Musa, mihi causas memora, quo numine laeso,
quidve dolens, regina deum tot volvere casus
insignem pietate virum, tot adire labores
impulerit. Tantaene animis caelestibus irae?

Publius Vergilius Maro: Aeneis, Liber primus: Pröomium

Sag, o Muse, mir an, weshalb, verletzt in der Gottheit
oder im Herzen gekränkt, die göttliche Fürstin den frömmsten
Mann so viel Arbeit bestehen und Mühen erdulden
ließ. Ist wirklich der Zorn so groß in den himmlischen Seelen?

… ::: Ein.Reimer

SIEB.10 @ 4711 :: Simone – Musa, mihi … *

© Werner Stangl Linz 2020