‘Non.Sense‘


Scham.Los.Fragen

Ist es schamlos, wenn in Chamonix Champagnerkorken knallen?
Warum starb Adelbert Chamisso ausgerechnet in Châlons-en-Champagne?
Warum verzehrt kein Franzose schamvoll sein Jambon-Baguette?
Warum wird Chamois-Leder im Sonnenschein brüchig wie Schamott?
Warum treibt das G’schamster Diener manchen Schamesröte in die Wangen?
Weshalb brach sich der Erzengel Chamuel ausgerechnet das Schambein?
Was tun, wenn man in Cham ein Schamhaar in der Suppe findet?
Weshalb wachsen manchen Champignons am Schamhügel?
Warum überschreiten Schamanen häufig Schamgrenzen?
Mit welchem Shampoo wäscht man am besten das Schamhaar?
Und überhaupt: Wie kommt Bechamelsauce an die Schamlippen?

 

Gebömmel *)

Bammel, bammel,
sagt der Hammel.

Bemmel, bemmel,
sagt die Semmel.

Bimmel, bimmel,
sagt der Himmel.

Bommel, bommel,
sagt die Trommel.

Bummel, bummel,
sagt die Hummel.

geboemmel


*) Dieses nachhaltige Gedicht entstand während des Zwölfeläutens der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Linz am Sonntag, dem 21. Juni 2015, im Café Meier auf dem Pfarrplatz. Die Nachhaltigkeit ergibt sich daraus, dass jeder, der diese Zeilen nur ein einziges Mal gehört oder gelesen hat, in der Lage ist, diese jederzeit fehlerfrei wiederzugeben.

FEDERSPIEL – Schrei.Bü.Bung

Autorenkreis-Federspiel-LogoTextvorlage

Wir betraten den Park von der Seite, wo seine Bäume dicht belaubt waren. Diese Bäume öffneten sich uns, sodass wir ihre Düfte einatmen könnten. Verlassen, aber nicht still war der Park, Vogelgesang klang in seinem Laubwerk; Melodien begleiteten uns, die jeder von uns schon Mal gehört hatte. Im Gras und auf den Bänken spielten Sonnenstrahlen, mit Schatten füllte sich die Allee vor uns, der Himmel erweckte die Illusion vom Sommer. Eher sanft als erdrückend war der Park von Gebäuden umschlossen, vom Großstadtleben befreit; seine Schönheit schien unvergänglich zu sein wie eine tief eingekerbte Erinnerung.

1. Überlegen Sie sich, wie Sie den Text reicher machen, mit welchen Nuancen Sie ihn füllen, wo die Sätze wachsen könnten? Stellen Sie sich vor, Sie würden den Park selbst betreten und nehmen ihn mit allen Farben, Formen und Geräuschen wahr.

2. Kristallisieren Sie den für Sie wesentlichen Kern des Textes heraus und formen Sie daraus einen kürzeren Text (kann auch lyrisch umgearbeitet sein).

Quelle: Das literarische Sprachlabor, S. 134, hrsg. von Stefan Krist, Patricia Brooks und Günter Vallaster, 2009, Präsens Verlag Wien.

Organisiert und durchgeführt im AutorInnenKreis FERDERSPIEL von Andrea Heitz: http://www.allwrite.co/


Textvorlage,
Dichters Plage

Wir betraten den Park von der Seite
und fanden dort sitzende Leute,
wo seine Bäume dicht belaubt waren,
drängten sich plappernd Touristenscharen.
Diese Bäume öffneten sich uns ganz weit,
die Nasen wurden darob schnüffelnd breit,
sodass wir ihre Düfte einatmen konnten,
während auf Bänken Bettler sich sonnten.
Verlassen, aber nicht still war der Park,
eine Frau aß ein Brot mit Butter und Quark.
Vogelgesang klang in seinem Laubwerk von oben,
sogleich singende Schwestern Gottvater hoch loben.
Melodien begleiteten uns immer weiter,
ein Vogel baute ein Nest, sang Lieder heiter,
die jeder von uns schon Mal gehört hatte,
wie eines hängenden Grammophons Platte.
Im Gras und auf den Bänken spielten Sonnenstrahlen,
die zum Sonnenbade sich freundlich empfahlen.
Mit Schatten füllte sich die Allee vor uns aus,
und bildete kühlend ein dämmriges Haus.
Der Himmel erweckte die Illusion von Sommer,
doch von Ferne erklang leiser Donner.
Eher sanft als erdrückend war der Park –
die Frau aß soeben ein weit’res Brot mit Quark –
von Gebäuden ganz eng umschlossen.
Doch der Himmel hatte Andres beschlossen
und öffnet die Schleusen gar weit:
der Park wird vom Großstadtleben befreit.
Seine Schönheit schien unvergänglich zu sein,
doch es trog wie meistens der Schein:
wie eine tief eingekerbte Erinnerung
brachte das Wetter nasse Verschlimmerung.


Kerbdichtung

Erinnerung atmet Verlassenheit,
Vergänglichkeit parkt in entklangten Gebäuden.
Umschlossene Illusionen zerduften im Atemdickicht.
Melodien erwecken Großstadtleben
im
Spielwerk der Alleen.
Ein schattenbegleiteter Himmel
drück
t Gesang in das Laubwerk.
Schönheit zersanftet die Stille.


W. S. scripsit „Zur letzten Ruh“ zu Linze, Anno Domini 2015, zum 17. Juno.

Entstanden im Rahmen des AutorInnenkreises von FEDERSPIEL.

© Werner Stangl Linz 2017