‘Slam Poetry‘


Hey Siri! 1.0 – Mein sozialer Status

siri-millionär

Ich: Hey Siri!

Siri: Hmm?

Ich: Wie ist mein sozialer Status?

Siri: Du bist mit 17 Personen und 3 Gruppen in WhatsApp verbunden. Wem willst du eine Nachricht schreiben?

Ich: Derzeit nicht. Wie schaut es sonst mit meinem sozialen Status aus?

Siri: Ich sehe in deinem Telefonverzeichnis 84 Kontakte. Wen soll ich anrufen?

Ich: Niemanden. Hast du noch etwas Soziales für mich?

Siri: Du hast drei Facebook-Accounts. Als Willi hast du 130 Freunde, als Anonymus 14 Freunde, als Solokabarettist 47 Freunde. Was möchtest du posten?

Ich: Jetzt nicht. Vielleicht später.

Siri: Gerne. Noch einen schönen Tag.

siri-millionär




Hey Siri! 2.0 – Wie werde ich Milionär?

siri-millionär

Ich: Hey Siri!

Siri: Was kann ich für dich tun?

Ich: Kannst du mich zum Millionär machen?

Siri: Das übersteigt möglicherweise meine Fähigkeiten

Ich: Was muss ich tun, um Millionär zu werden?

Siri: Das habe ich gefunden:

  • Millionär werden – Mit unseren Tipps & Tricks schaffst auch du es!
  • Millionär werden: Experte erklärt vier Möglichkeiten, reich zu werden …
  • Reich werden: 20 Tipps, die Millionäre schon kennen.
  • Reichtum: Sieben Regeln, mit denen Sie Millionär werden.

Welche Webseite soll ich aufrufen?

Ich: Was mache ich, wenn ich schon Millionär bin?

Siri: Das habe ich gefunden:

  • Wie verhält man sich als Millionär?
  • Wie man Millionär bleibt?

Welche Webseite soll ich aufrufen?

siri-millionär




Das Blumenmassaker

Man verkauft heut’ rote Rosen
auch schon in Konservendosen.
Pfingstrosen muss man dafür reiben,
oder auch in Scheiben schneiden.
Gänseblümchen kann man häckseln,
aus Sonnenblumen Zäune drechseln.
Margeriten sind an vielen Ehen schuld,
beim Zupfen braucht man halt Geduld.

Häufig hört man Akeleien
quer durch alle Gärten schreien,
wenn die Rasenmäher rattern
alles unter sich zerflattern.
Auch die meisten Azaleen
kann man gut dabei verstehen,
wenn sie um ihr Dasein bangen
nach Naturschutz dann verlangen.,
Und die Mimosen sind entsetzt,
wenn man bloß die Sichel wetzt.

Veilchen kann man ganz leicht knicken,
wenn sie aus der Erde blicken,
bei Tulpen ist das eher schwer,
da braucht man schon ein Schießgewehr.
Auch Nelken soll man nicht verschonen,
ein Gleiches gilt für Anemonen.
Für Hyazinthen kann ich auch nicht bürgen,
die muss man instantan erwürgen.
Der Löwenzahn zählt zu den größten Plagen,
den kann mit Harken man erschlagen.

Schneeglöckchen läuten oft so laut
dass man sie gleich in Stücke haut,
Maiglöckchen bleiben giftig klein,
mischt man sie doch beim Bärlauch ein.
Glockenblumen sind ein Graus,
die jagt man besser gleich hinaus.
Osterglocken sind genau so übel,
die steckt man in den Abfallkübel.
An Petunien bleibt man kleben,
drum lässt man sie nicht lange leben.

Kornblumen sind im Grunde schüchtern,
erträglich nur wenn man nicht nüchtern.
Vergissmeinnicht, die bleiben still,
auch wenn man sie verprügeln will.
Herbstzeitlosen muss man schnell entsorgen
oder sie den bösen Nachbarn borgen.
Hortensien wirft man nach den Müttern,
mit Ringelblumen kann man Schafe füttern.

Lilien, Iris, Phlox und Primeln
lässt in der Nässe man verschimmeln.
Stiefmütterchen sind zu entwurzeln,
denn über diese kann man purzeln.
Löwenmaul, Jasmin, Narzissen
werden gleichfalls ausgerissen.
Was geschieht mit Freesien?
Die schickt man nach Tunesien.

Nicht zu den Blumen zählt der Flieder,
drum schneidet man ihn gleich ganz nieder.
Auch Heckenrosen sind entbehrlich,
sind ihre Dornen doch gefährlich.
Auf Lavendel kann man ganz verzichten,
auch Rittersporn muss man vernichten.
Nur Astern darf man stehen lassen,
da sie im Winter ohnehin verblassen.

Blumen Massaker

Verfasst für DUM – das ultimative Magazin Nr. 92: DUM 92: BLUMIG Von Wiese bis Wein.




SIEB.10 @ 4711 ::

© Werner Stangl Linz 2020