‘Dichtung‘


Unreiner.Einreimer

Herr Honda sagt zu seiner Vespa:
“Komm, machen wir doch jetzt Siesta.”
“Gute Idee, mein liebster Bester,
ich sag es nur noch meiner Schwester.”

Später während der Siesta
drückt Herr Honda seine Vespa
und auch deren weiße Schwester
an den Tank gleich doppelt fester.




Wie geht’s Ihna, Hea Nochboa?

Es faungt bei mia scho obn aun:
de Hoa san längst perdü.
Und drunta kaun ma a laung schaun,
do findt ma nimma vü.

Da Kortex, der losst häufich noch,
und a da Hippokampus.
I glaub, do is a großes Loch.
Kummt des vom vülen Schampus?

De Nosn rinnt ois wia a Traufn,
de Zähnt, de wockeln hin und hea,
ma miaßat s’ bessa einischraufn.
Des zoit de Kassa hoit ned mea.

Da Hois dafia, dea ist glei doppelt,
und a de Schuita knackt und grammelt,
da Adamsopfel oba hoppelt
ois wia a Hos, dea munta rammelt.

De Lungan röchlt wia sa’s braucht,
des Stiagnsteign is ned heita.
Des kummt hoit, waun ma sovü raucht.
Des Heaz schlogt Gottseidaunk no weita.

Des Kreiz? Jo, des is woa,
des is scho schief und krumm.
De Baundscheim foin hoit öfta vua,
ka Dokta waß warum.

Da Mogn is meistens übasäuert,
do kummt’s scho maunchmoi hoch.
Ois waun er’s Essen schon bereuert.
Und in da Nocht, do wead i woch.

A poa moi muas i daun auf’s Klo,
Durt sitz i stott’n Schlofn.
Und ‘s Schiffen? Des is sowieso
a gaunze Katastrophn.

Und von dem “An”? Do red i net.
Des kloppt schon laung net mea.
Und lieg i wida daun im Bett,
wölz i mi weida hin und hea,

und gspia de Hüftn und de Knia,
de woin hoit a ia Rua.
I glaub, i hoi ma no a Bia,
und deck ois mit an Doppla zua.

A meine Zechn san a Haumma,
da Halux losst schen griaßn.
Des gaunze Gstö is hoit a Jaumma,
i wead amoi in Roistui miassn.

Owa sunst? Sunst geht’s ma guat!
Do wü i goar net klogn.
I foa jo jetzt in Urlaub fuat.
Do ans mecht Ihna i no sogn:

Wea oiweu jaummert, si net gfreit,
der hot hoit nix vom Lebm.
Drum pfiati, sog i Ihna heit,
bis mia uns widasegn.


Verfasst für DUM – das ultimative Magazin Nr. 90: HINIG – Von ogfackt bis oghaust




O – wie Ode an die Freude

I

Wie Ode an die …
Öden Oden an?
Anoden?
Mit dem Powerbook andocken ans Netz …
Den Stecker des Netzgerätes
in die Steckdose des Intercity 740
„Licht für die Welt“
stecken, der nach dem gültigen Winterfahrplan
statt um 16:00 den Westbahnhof
erst um 16:34 verlässt.
Vor dem 16:22er,
der als Eurocity – aus Budapest kommend –
zwar eine Viertelstunde früher in Linz ankommen soll,
dafür aber gesteckt voll und ohne Steckdosenplatzgarantie daherkommt.
Hoffst du auf Garantien im Leben?

II

Hinter dir liegt Bratislava –
Die Burg, die mit Westgeld renovierte Altstadt,
die Straßenbahnen mit ihren zeitgemessenen Strecken,
die Oper mit ihren alternden Diven und dem Prunk des Vorvorigen …
Hinter dir der Südbahnhof
mit den neun Bahnsteigen,
die Ufern ins Neuland gleichen …
Ankunft und Abfahrt vermischen sich.
Pendelnde Waagebalken.

III

Ode an das Zögern?
Vor dir liegt Linz,
das dir Vertraute, dem du vertraust.
Hinter dem Schatten der Zeit,
der dir vorangeht und folgt,
dich mit der Welt verbindet und von ihr trennt.
Unendlicher Paravent.
An dem du dich entlang tastest.
Ahnungsvoll.

IV

Abläufe sind wie Taktschläge eines unsichtbaren Trommlers,
der in die Annalen
akustische Kerben hämmert.
Kein Augenblick entkommt
dem geordneten Vergehen und Werden.
Festgehalten für den Tag der Rückschau.
Wer wird je zurückschauen in die Chronik
des vom Trommler zerschlagenen, untergegangenen Zeitalters?
Das Leben liegt in der Stille.

V

Ode an die Vergangenheit?
Komm in den totgesagten Park und schau …
Das hat ein andrer gesagt und besiegelt.
Warum den versungenen Tag der Pessimisten mit
zerbrechlichen Versen begrenzen?
Festhalten für ein Irgendwann.
Lass dich fallen.

VI

Den Überschwang der Erwartung
zu zerbrechen im Zweifel für einen dämmernden Morgen –
Zerschlagen sind die dir fremden Gedanken,
die vom Nachhall der Trommelschläge vibrierend
auf dem Altar der Nachkommenden
auf einen Tag warten …
Welchen Tag?
Ihren?
Nimm ihn.

VII

Komm in den lebenserfüllten Park und schau …
Einritt frei.
Wende den Blick
in den vom Trommler noch verschonten Raum –
komm in den noch nicht zerschlagenen Tag,
der keine Grenzen kennt und keine Markierungen.
Der sich öffnet …
Raum gibt deinen Gedanken, den ungedachten …
Die Geschichten sind noch nicht vorübergegangen –
die Gestalten an den Weggabelungen zögern noch.
Die Fährnis kauert hinter den kommenden Schlägen des Trommlers,
noch ungewiss über den Rhythmus der unbeträumten Nächte.
Zögere nicht.

VIII

Reiß den Trommlern die Schlägel aus der Hand,
zerbrich die Schlägel,
den Mund der Herrscher
über deine Gegenwart und deine Träume.
Durchbrich den Zugzwang fremder Spiele,
die Teilungen des Unteilbaren.
Fremdes.

IX

Jede Reise hält
die Zeit an –
deine Zeit –
lass dich fallen in die Sekunden
eines Zwischenhalts –
Gedanken frieren Eisblumen ans Fenster des Abteils.
Eine wärmende Hand zerstört sie
und macht den Blick frei.
In ein anderes.

X

Den Stecker des Netzgerätes
aus der Steckdose des Intercity 740
„Licht für die Welt“
ziehen und nach dem Winterfahrplan
ankommen –
„Linz Hauptbahnhof – Linz Hauptbahnhof –
Sie befinden sich auf Gleis 6 …
Anschluss nach Perg neunzehn Uhr siebzehn … “
Nichts versäumen, das ist das Leben.




SIEB.10 @ 4711 ::

© Werner Stangl Linz 2019