Drei unkrautige Einreimer

Wildwuchernde Winde

Es sieht jeder Blinde:
Die wuchernde Winde
wächst rasend geschwinde
entlang der borkigen Rinde
einer duftenden Linde
oder auch Tamarinde
und baumelt im Winde.
Meine Gattin Gerlinde
sagt: Gatte, erfinde
doch etwas geschwinde,
dass sie verschwinde!
Wie sehr ich mich schinde,
kein Mittel ich finde!
Meine Wut ist gelinde
schon lang eine blinde.
Weiter wuchert die Winde
wie ich schmerzlich empfinde,
entlang der borkigen Rinde
einer duftenden Linde
oder auch Tamarinde,
baumelt weiter im Winde …
weiter im Winde …
im Winde …
Winde …

Unerquickliche Quecke

Wenn ich sie entdecke,
diese quakende Quecke
auf dunklem Flecke
hinter der Hecke,
die Arme ich recke,
die Zähne ich blecke,
die Mordlust erwecke,
die Lippen mir lecke,
den Spaten wurzeltief stecke
und mach‘ sie zur Schnecke.
Zu dem Zwecke
dass niemand entdecke
die Leiche der Quecke
ich sie verstecke
in einer stillen Ecke
und dort mit Vergessen bedecke,
damit sie qualvoll verrecke.

Wirsch & Unwirsch

Unter dem wilden Kirsch-
baum verflucht ein Gärtner unwirsch
den wuchernd sprießenden Giersch.
Doch gar nicht wirsch
blickt auf der Pirsch
der Jäger, wenn hinter ihm knirsch-
t im Holze ein Hirsch.


Diese drei Einreimer wurden beim Literaturwettbewerb „BonnFM liest“ als bester Lyrikbeitrag ausgezeichnet und von Pauline Lantermann in der Sendung vom 7. November 2018 gelesen:



Bildquelle: Jacquemontia sandwicensis (Foto: David Eickhoff)
WWW: https://de.wikipedia.org/wiki/Windengew%C3%A4chse#/media/File:Jacquemontia_sandwicensis_(5188181000).jpg (18-11-07)
Verfasst für den Alois Vogel – Literaturpreis 2018

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Drei unkrautige Einreimer

© Werner Stangl Linz 2018