Die Kindheit schweigt als versunkener Garten,
wo schemenhafte Erinnerungen weben,
sie bleiben – ungerufen – verschlossen,
vom Leben verlassene Räume.

Müde Träume
hängen schwer in den Zweigen,
die Ränder des Atems berühren die Welt,
ein zögerndes Herz umschließt kaum Gedachtes.

Das Jetzt, ein Geflecht aus Blicken gesponnen,
aus Bildern, die aufeinander sich legen.
Aus der Ferne verklungene Stimmen,
die fremde Stille gebären,
die mehr ist als Schweigen.

So wächst das Leben in ein Morgen
aus einem verlorenen Gestern,
zwischen ausgesetzt und geborgen,
gelenkt von unsichtbaren Fäden.
Vielleicht hält sie ein Gott.
Oder niemand.

Aus der Stunde, die alles umschließt,
wächst seltsames Hoffen ohne Begehren.
Was fällt, was verhallt und was fließt,
beginnt sich im Schweigen zu mehren.

Bist du der Tau auf den Gräsern?
Das Leuchten im Grunde der Zeit?
Ich höre die Fragen.
Siehe, ich lebe.
Bist du bereit?


Entstanden aus der Auseinandersetzung mit dem Rilke-Zitat: „Siehe, ich lebe. Woraus? Weder Kindheit noch Zukunft werden weniger … Überzähliges Dasein entspringt mir im Herzen.“ (Neunte Elegie aus den Duineser Elegien, 1912/22)