‘Sonstiges‘


Des gehd auf kan Biadeggl

Übaflüssigs

So wia di Athena sogn,
das ma eana kane Euln bringan soin,
sog i, a noch Ottakring brauchd ma ka Bia drogn.

Rednsoat

Zu an Buagnlandler und an Wachauer
kaun i schlechd sogn: des is dei Bia!
Do muas ma scho an Wein nemma.

Oatsfremd

Wem ma jemaund aum Münchna Oktobafest
reinan Wein eischenkn wü,
daun muas ma damid a rechna,
das ea an a Måß auf’n Schädl haud.

Fögriff

Waun a echda Weindrinka
amoi Schaum vorm Mund hod,
daun hod ea woascheinlich
des foische Glasl dawischd.

Menganleere

Waun i Bia drinkn wü,
daun is ma a Flaschl zwenich.
Drum kauf i mia’s Bia
imma glei kistenweis.
Oda wia die Deitschn sogn: an Kostn!


Veröffentlich in DUM – das ultimative Magazin, No.: 82/2017, BIER – Vom Fass bis Ottakring, S. 19.

KEINE KUNST

Landstrich Keine Kunst

Krösswang artikulierte die beiden Worte bedächtig, wie es seine Art ist, Silbe für Silbe. Als ich hinzufügte „Ohne Rufzeichen, ohne Fragezeichen“ wiederholte er auch diese Worte. Bedächtig, ohne Punkt.

Krösswang ist einer jener Menschen, die man grundsätzlich gerne als Freund hat, da er verlässlich und aufmerksam auf seine Mitmenschen eingeht, die man aber in manchen Situationen liebend gern auf den Mond schießen möchte. Einerseits ereignen sich in seinem Leben hin und wieder seltsame Dinge, die für einen Schriftsteller reizvolles Ausgangsmaterial bilden, andererseits kann die mehrmalige Wiederholung seiner Erlebnisse in unterschiedlichen Varianten auch hübsch – im Wortsinne – auf die Nerven gehen. Bei seinen Erlebnissen war nie offensichtlich, ob er sich diese nicht aus mehreren undeutlichen Erinnerungen zusammenreimte, oder ob sie sich tatsächlich so ereignet hatten. Während etwa sein vor einigen Jahren noch gerade vermiedener Sturz in die eisschollenführende Donau beim Versuch, über einen Schatten zu springen, durchaus glaubwürdig klang, glich seine Erzählung von der Eröffnung des Linzer Sandstrands und der Begegnung mit einer Donaunixe eher einem Märchen.

Krösswang ist mein Freund, keine Diskussion.

Aber: Krösswang besitzt eine Angewohnheit, die wohl vielen Männer zu eigen ist, ein persönliches Problem, das ihnen – vordringlich von Frauen – berichtet wird, stante pede lösen zu wollen. Auch wenn das Gegenüber – wie erwähnt: meist eine Frau – sich nur gewünscht hatte, einen aufmerksamen Zuhörer zu finden. Krösswang war hierin äußerst kreativ und hätte man nur einige seiner in freundschaftlichem Gespräch entwickelten Lösungsvorschläge umgesetzt, wäre das Leben mancher

Menschen gewiss völlig anders verlaufen. Allerdings waren diese Vorschläge meist ins Skurrile eskalierende Gedankengebäude, deren Umsetzung schon daran scheitern musste, dass die Voraussetzungen und Umstände zur Problemlösung mit den realen Möglichkeiten letztlich nicht Schritt halten konnten.

Mit der Zeit entwickelt man Menschen wie Krösswang gegenüber eine Strategie, mit ihnen nur Belangloses zu bereden, also Small Talk zu betreiben, und sensible Bereiche des Lebens, vor allem des Innenlebens, vor ihnen tunlichst zu verbergen.

Nun war ich abermals, wie einige Male zuvor, in diese Falle getappt und hatte ihm nicht nur von meinem sonntägigen Ausflug zur Präsentation der Literaturzeitschrift LANDSTRICH berichtet, sondern auch das Thema der nächsten Ausschreibung erwähnt. Hätte ich vom schönen Wetter oder vom orangen Kleid

meiner Begleiterin erzählt, hätte sich unser Gespräch in den Gefilden blauen Himmels, dem Vorteil von Leinenbekleidung bei großer Hitze oder der angenehmen Temperatur im Veranstaltungsraum in Zwickledt erschöpft.

Wie diese Geschichte weitergeht, kann man in der Kulturzeitschrift LANDSTRICH „KEINE KUNST“ nachlesen:


Am Sonntag, 28. Mai 2017, 15 Uhr, findet die Präsentation der LANDSTRICH-Ausgabe 2017 KEINE KUNST unter Mitwirkung von AutorInnen im Kubin-Haus in Zwickledt 7, 4783 Wernstein, statt.

fragment 01: er ging durch die belebten straßen

w.s. scripsit 1966

abstander ging durch die belebten straßen, als hätte er etwas verloren. niemand konnte seine augen sehen, denn sein blick war auf das unregelmäßige muster der straßensteine gebannt. er trug keine gedanken hinter seiner stirn, denn er hatte sie an der letzten straßenecke verloren. oder war es die vorletzte. darüber dachte er nicht nach. es störte ihn nicht, daß er manchmal die unwilligen blicke der passanten auf sich zog, wenn er einmal einen von ihnen übersah und nicht platz machte. gedankenverloren setzte er einen fuß vor den anderen, die richtung zählte nicht. der lärm konnte den unsichtbaren schild nicht durchdringen, den er gleichsam als schutz vor sich her trug. seine hände baumelten im toten rhythmus seine schritte. ziellos. vergeblich.
abstandniemand hatte ihn gesehen. nur ich bin ein stück mit ihm mitgegangen, zählte seine schritte. dann habe ich ihn in der menschenmenge verloren.
abstandseither sehe ich ihn jeden tag, einmal in dieser, einmal in jeder straße, dann in keiner.
abstandgrüßen sie ihn von mir, denn ich habe ihn verstanden.

strassensteine-pflaster

© Werner Stangl Linz 2017