‘Literaturzeitschriften‘


Bassena-Latein

Haum sas ghead, Frau Nochbarin,
es woa scho in da Zeidung drin:
Da Fraunz, dea hod a Bankerl grissn.
Nau, kana wiad ihn sea vamissn.

Jo, neamd hod eam so richtich megn!
Drum is füad Oide rechd a Segn.
De oame Frau hod so vü glittn,
den gaunzn Tog haums eh nua gstrittn.

Und ans kaun i jetzt a varodn:
Ea hods betrogn noch Strich und Fodn!
Wos si ned sogn! A so a Gauna!
Jojo! So san se hoid de Mauna.

Si woa jo a ned grod a Waserl,
ia gresde Freid woa jo des Glaserl!
Nau, do haums recht! Si hod vü gsoffn,
east neilich hob i si im Wiazhaus troffn.

Jetzt wiads a schene Rentn kriagn.
Nau, dann kauns um die Heisa ziagn
und no mear saufn ois davua.
Wos wiad denn jetzt mit ihnan Bua?

Dea wiad woi ned so traurich sein,
denn neilich woa ea org am Schrein,
wia ihn da Voda prügeld hod.
Jojo, da Fraunz woa a Falott!

Und a den Hund hod ea nua gschlogn.
Wos soi i ihna dazua sogn:
der hod den gaunzn Tog oft gwinsld
und mid sein Schwaunz des Pfloster pinseld!

Wissens scho, wauns eam begrobn?
Des wiad sei Oide uns scho sogn.
Di Leich, des wiad bestimmd a schene.
Jojo! De mortuis nil nisi bene.


Veröffentlich in DUM – das ultimative Magazin, No.: 86/2018, NACHRED: Imitsch & Tratsch.




Chronologie, invers

Eins

Sie zuckte mit keiner Wimper, als er in die Schuhschachtel griff, wahllos Fotos herausriss und auf sie schleuderte: „Unser Leben! Alles Scheiße?“
Kein Staunen fand sich in ihren Augen. Als hätte sie es erwartet.
Bei jedem Päckchen, das er immer unkontrollierter in ihre Richtung warf, wiederholte er ohne lauter zu werden: „Alles Scheiße?“
Seine Stimme kippte. Schließlich leerte er die restlichen Fotos in der Schachtel über ihrem Kopf aus.
Noch einmal: „Alles Scheiße?“
Sie saß noch immer regungslos.
Er verließ das Zimmer und knallte die Türe zu.

Zwei

Er folgte ihr ins Schlafzimmer und beteuerte, dass doch alles nur ein Missverständnis sei. Was er aus seiner Kindheit erzählt hätte, sei doch ganz anders gemeint gewesen. Er hielt sie während seiner flehentlichen Erklärungen an beiden Händen fest, damit sie ihn nicht wie sonst in solchen Situationen einfach stehen lassen konnte.
„Du tust mir weh“, sagte sie betont ruhig. „Ich bin kein Kind, das du belehren musst!“
Er schwieg und versuchte, ihr in die Augen zu schauen. Sie wich seinem Blick aus.
Er wiederholte mehrmals, dass er doch endlich auch über ihre Kindheit reden wollte. Sie schien ihm nicht zuzuhören: „Ich werde mir nie wieder von Dir vorschreiben lassen, was ich zu tun habe.“
Irgendwann ließ er resignierend ihre Hände los und ging in sein Arbeitszimmer. Sein Blick fiel auf die Schuhschachtel im offenstehenden Schrank, in dem er die Familienfotos aufbewahrte.

Drei

Unvermittelt blieb sie nach dem schweigsamen Nebeneinanderhergehen stehen: „Du bist wie dein Vater! Zuerst hinschlagen und dann um Verzeihung bitten.“
Tränen schossen in seine Augen.
Dieses Resümee des Abends stellte alles auf den Kopf.
War sie blind oder war er es?
Er war von diesem Vorwurf so überrascht, dass er auf dem restlichen Nachhauseweg bis zum Aufschließen der Wohnungstür schwieg.
Wie immer half er ihr im Vorzimmer aus dem Mantel. Während er seinen Mantel an die Garderobe hängte, ging sie ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen.

Vier

Nachdem sie das italienische Lokal verlassen hatten, …

Wie diese Geschichte weitergeht, kann man in der Kulturzeitschrift LANDSTRICH „NEUE ZEITEN“ nachlesen:


Am Sonntag, 3. Mai 2018, 15 Uhr, findet die Präsentation der LANDSTRICH-Ausgabe 2018 NEUE ZEITEN unter Mitwirkung von AutorInnen im Kubin-Haus in Zwickledt 7, 4783 Wernstein, statt.


Nr. 34 NEUE ZEITEN, 2018

Beiträge von Norbert Leitgeb, Evelyne Polt-Heinzl, Michael Burgholzer, Johanna Wurzinger, Adi Traar, Wilhelm Rager, Bodo Hell, Markus Köhle, Martin Praska, Karl Johann Müller, Julian Schutting, Otto Johannes Adler, Peter Landerl, Bernadette Haller, Stefan Winterstein, Werner Stangl, Dominik Leitner, Britta Lübbers, Stephan Groetzner, Heinz Göbel, Bianca Buhr, Friedrich Hirschl, Alois Riedl, Martin Pollack, Andrea Nießner, Robert Anders, Gerhard Zeillinger, Didi Sattmann, Reinhold Schrappeneder, Michael Burgholzer und Rudi Klein.

ISBN: 978-3-9504026-4-3
Preis: 14 €

Bestellung: http://www.landstrich.at/




Bildträger

Wikipedia: Als Bildträger wird in der bildenden Kunst der Untergrund eines Bildes bezeichnet. In der Tafelmalerei besteht der Bildträger üblicherweise aus Holz. Textile Bildträger werden als Leinwand bezeichnet, obwohl diese Bezeichnung eigentlich nur für Textilien aus Flachs zutrifft. Weitere Bildträger sind Karton oder Papier, seltener Blech, Glas, Keramik und andere Materialien. In der Wandmalerei können Felsen oder jede andere Architekturoberfläche, z. B. Wände oder Decken mit oder ohne Putz auf Mauerwerk, als Bildträger dienen.

Jugendschutzgesetz (§ 1 Abs. 2): Bildträger sind gegenständliche Träger von Texten, Bildern oder Tönen, die zur Weitergabe geeignet, zur unmittelbaren Wahrnehmung bestimmt oder in einem Vorführ- oder Spielgerät eingebaut sind oder mit Hilfe dieser Vorführ- oder Spielgeräte dargestellt werden können. Bildträger müssen, wenn sie in der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, mit einer Altersfreigabe der Obersten Landesjugendbehörden oder einer Organisation der freiwilligen Selbstkontrolle, i.d.R. der „Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ und der „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ gekennzeichnet sein. Bildträger, die indiziert bzw. mit „Keine Jugendfreigabe“ oder überhaupt nicht gekennzeichnet sind, dürfen Kindern und Jugendlichen nicht angeboten, überlassen oder zugänglich gemacht werden.

Flatz – die Haut als Bildträger (Marktstr. 33, 6850 Dornbirn): Im Gefolge von Valie Export und Timm Ulrichs begab sich Flatz in den 1980er Jahren auf die Suche nach Ausdrucksformen außerhalb der konventionellen Bildmittel und wurde bei seinem Körper fündig. 1985 signierte Flatz sich selbst durch ein Tattoo auf dem Schulterblatt, drei Jahre später folgte ein Barcode auf dem linken Oberarm. Über die Jahre kamen weitere großflächige Beschriftungen der Haut: “Physical Sculpture” auf dem Rücken, die altgriechische Redewendung “Molon Labe” (Komm und hol sie dir!) am Bauchansatz, die vertikalen Schriftzüge “Mut tut gut” und Ciceros “Dum spiro spero” (Solange ich atme, hoffe ich) auf den Armen. Und analog zum Film “Die Nacht des Jägers” (1955), in dem Robert Mitchum als falscher Gefängnispriester die Worte “Love” und “Hate” auf seinen Fingern stehen hat, sind bei Flatz am Daumenansatz die Worte “Give” und “Take” eintätowiert. Nach seinem Ableben will er seine Haut in einem Auktionshaus meistbietend versteigern lassen wodurch sie zum verfügbaren Kunstwerk und überleben wird.

Mädchenportrait (The Metropolitan Museum of Art, New York): Gemälde, Öl auf Leinwand, Höhe: 110 cm, datiert 1869. Beschädigung des Bildträgers durch einen Türgriff beim Handling einer Umzugsfirma.

Digitale Bildverarbeitung: Ein Bildträger ist charakterisiert durch eine Punktmenge P, eine Nachbarschaftsrelation N für die Punkte von P und durch eine zyklische Ordnung Z für die Nachbarschaften der Punkte.

Mein Bildträger: Das Herz.


Veröffentlicht in etcetera – Literatur und so weiter, Nr. 63.




© Werner Stangl Linz 2018