Zahl, Gurke, Petersilienwurz,
sind manchmal lang und manchmal kurz,
erscheinen ungerad‘ und grade,
wobei die graden eher fade.
Ganze Zahlen leben oft in Brüchen,
zerbroch’ne Teller in den Küchen.
Karotten findet man beim Wurzelziehen,
auch wenn das vom Radies‘ entliehen.
Die Pizza ziert ein Radius,
den jeder Koch berechnen muss.
Auch Palatschinken haben einen,
selbst Krapfen, aber einen kleinen.
Paarweise liegen Eier im Karton,
zerschlagen fließen sie amorph davon.
Ein Ei gekocht ist meist oval,
doch für den Nachwuchs ist’s letal.
So haben vier Rosinenkipferl
insgesamt acht kleine Zipferl.
Fünf Kaisersemmeln, kann man sehen,
besitzen fünfundzwanzig Zehen.
In den Fisolen stecken oft zehn Bohnen,
in zwölf von ihnen hundertzwanzig wohnen.
Bäckt man der Linzeraugen zehn,
kann man dreißig Äuglein sehn.
Ist man beim Backen aber fleißig,
hat man bei zwölf gleich sechsunddreißig.
Ein Kürbis lebt zwar singulär,
doch Kerne gibt es viel, viel mehr.
Dies Schicksal teilen auch Melonen,
die Kernchen tausendfach bewohnen.
So ist daher, man glaubt es kaum,
die Küche bloß ein Zahlenraum.

Veröffentlicht in „etcetera 100 – Zwischen Zahlenspiel und poetischer Lust„, S. 23.
Anmerkung: Die nachträglich in das Gedicht eingefügten und daher rot hervorgehobenen Verse verdanke ich der Erzählung einer Freundin, die mit ihrer Enkeltochter Weihnachtsbäckerei gebacken und dabei das Multiplizieren geübt hat.
