‘Lakonische Verse‘


Launige Litanei

Herr wir danken Dir dafür, dass wir als Missgeschick Deiner Schöpfung für die aufrechten Christen ein abschreckendes Beispiel sein dürfen!
Herr, wir danken Dir für Aids und Hepatitis C, mit dem Du uns vor der Zeit vom Erdendasein erlösen willst!
Herr, wir danken Dir für die Loveparades, bei denen wir uns gegenseitig tottrampeln dürfen!
Herr, wir danken Dir für Bischof Laun, dass er uns immer wieder über kath.net unsere Abartigkeit in Erinnerung ruft!
Herr, wir danken Dir für Gabriele Kuby, die uns darauf hinweist, dass wir leben dürfen, aber auf unsere Sexualität verzichten müssen!
Herr, wir danken Dir für das Weihwasser, das wir in unser tägliches Bad schütten müssen, um uns von der Sünde reinzuwaschen!
Herr, wir danken Dir für die Aussage von Bischof Laun, dass wir mit Pädophilen auf einer Stufe stehen!
Herr, wir danken Dir für die kalte Dusche, die man uns jeden Morgen empfiehlt, um unser Geschlecht zur Ruhe zu bringen!
Herr wir danken Dir für die Aussage von Bischof Laun, dass wir eine Minderheit sind, aber in einem Rechtsstaat alle Rechte haben dürfen!
Herr wir danken Dir für die Aussage von Bischof Laun, das die Zeiten der Diskriminierung durch die katholische Kirche längst vorbei sind!
Herr wir danken Dir für die Aussage von Bischof Laun, dass wir vom Staat keine Leistungen verlangen sollten, weil wir ja keine Kinder zeugen können.
Herr wir danken Dir für die Aussage von Bischof Laun, dass wir wie alle Bürger in Frieden leben dürfen und dass das so sein soll und bleiben darf!
Herr, wir danken Dir für den Life-Ball, damit wir uns nochmals feiern dürfen, bevor die Ewige Verdammnis über uns kommt!
Herr, wir danken Dir für das Verbot der Kondome, damit wir bessere Ansteckungschancen haben!
Herr, wir danken Dir für die homosexuellen Priester, die in Deiner heiligen Kirche im Stillen wirken dürfen!
Herr, wir danken Dir für unseren Samen, der seiner wesentlichen und unerlässlichen Zielbestimmung beraubt ist, Nachkommen zu zeugen!
Herr, wir danken Dir für den gebührenden Lohn für unsere Verirrung!
Herr, wir danken Dir dafür, dass Dein Kirchenrecht uns zur immerwährenden Keuschheit auserwählt hat!
Herr, wir danken Dir dafür, dass wir uns durch unsere Veranlagung schon früh mit dem Kreuzesopfer des Herrn vereinen dürfen!
Herr, wir danken Dir dafür, dass wir die Sehnsucht nach unserem wahren Geschlecht mit einer blonden Perücke, Büstenhalter und Stöckelschuhen ausleben dürfen!
Herr, wir danken Dir dafür, dass wir geistige „Talibans“ sind, die als Schläger der aufrechten Katholiken auf ihren Einsatz warten!
Herr, wir danken Dir für unsere Homosexualität und für unsere Triebe!
Herr, wir danken Dir dafür, dass viele Fälle von Homosexualität durch eine angemessene Behandlung geheilt werden können!
Herr, wir danken Dir für die Aussage von Kardinal Sebastian Aguilar, dass unsere Homosexualität wie sein Bluthochdruck ein Zeichen von Unvolkommenheit sei!
Herr, wir danken Dir dafür, dass unsere homosexuelle Gefühle ihre Wurzeln in individuell erlebten seelischen Verletzungen in der Kindheit haben!
Herr, wir danken Dir dafür, dass unsere homosexuelle Identität keine natürliche oder gegebene Identität darstellt, weil sie dem Leib des Menschen widerspricht!
Herr, wir danken Dir dafür, dass die katholische Kirche unsere Orientierung umerziehen will!
Herr, wir danken Dir dafür, dass man unsere Orientierung als Defekt bezeichnet, auf den man uns als guter Katholik hinweisen muss!
Herr, wir danken Dir für Bischof Laun und Gabriele Kuby!

Präpositions.Rap.Lokal

Ab den Körpermitten
wird bei rauen Sitten
eingeschritten

Abseits der Regentonnen
mit Wonnen
sonnen

Am Bergesrücken
mit Entzücken
Koks zu drücken

An den Zimmerwänden
Kraft der Lenden
zu verschwenden

Auf Schisprungschanzen
mit den Wanzen
Tango tanzen

Aus Kanalgittern
bei Gewittern
twittern

Außer Haus die Schnecken
bei den Hecken
zuzudecken

Außerhalb der Sonntagsmessen
unterdessen
Gott vergessen

Bei den Herbstzeitlosen
mit den Rosen
kosen

Bis zu Zehenspitzen
auch im Sitzen
Spuren ritzen

Diesseits dieser Dattelpalmen
mit den Halmen
mitzuqualmen

Durch die Ösen
mit den Bösen
dösen

Entlang der Wasseradern
mit den Quadern
hadern

Fern der Heimaterden
von Pferden
getreten werden

Gegen alte Mauern
mit den Bauern
sich zu kauern

Gegenüber jenen Betten
vor den Ketten
sich zu retten

Hinter seinem Rücken
mit Entzücken
******* pflücken

Im Wintergarten
auf die Karten
warten

In den Höhlen
unter Gröhlen
einzuölen

Inmitten Konkubinen
mit Ölsardinen
Geld verdienen

Innerhalb der engen Mauern
mit Bedauern
zu erschauern

Jenseits aller Hasenscharten
auf die guten Karten
warten

Längs der engen Gassen
mit den Kalebassen
Monegassen fassen

Nach den letzten Augenblicken
mit den Zicken
sich verquicken

Nahe der Inseln
mit den Pinseln
winseln

Neben Wasserratten
auch den Ehegatten
zu bestatten

Oberhalb der Wasserscheiden
mit den Heiden
mitzuleiden

Seitlich der Mauern
mit Bauern
kauern

Über Schneekristallen
mit den Zehenballen
hinzufallen

Um die Häuserecken
mit dem Wanderstecken
Leute schrecken

Unfern der Kaffeeplantagen
über seinen Magen
klagen

Unter Wasserfällen
mit Sardellen
Bäume fällen

Unterhalb der Meeresküsten
nach den großen Brüsten
lüsten

Unweit jener Bergeshöhen
mit den Flöhen
böen

Vis-à-vis von den Kanaren
mit Touristenscharen
Schlitten fahren

Vor den Hausfassaden
in den Marmeladen
sich zu baden

Zu den Kakerlaken
auch die Schnaken
packen

Zwischen Hoff’ und Bangen
mit den Klapperschlangen
Flöhe fangen

praeposition rap


[Verzeichnis der Texte]

Lakonische Verse von FreundInnen

eis glatt unter schnee
überdeckt den pflasterstein
und schließlich doch strand

fabian koesters 10.09.2010 12:39 Uhr
http://www.koesters-internet.de

rechtes Auge entzündet, verschleierter Blick.
März bis September beim Arzt.
Vielleicht war DAS der Fehler.

Claudia Klinger Webwork 10.09.2010 17:18 Uhr
http://www.claudia-klinger.de/webwork/


Siehe zur literarischen Form: Lakonische Verse


© Werner Stangl Linz 2017