
Wenn du am Abend
in schwüle Cafés trittst,
lichter-umwittert,
menschen-umsäumt,
vergiss die Spiegel,
die an den Wänden hängen,
stumm und groß
und alles erzählen:
Von Lippen im Lachen,
von leichtem Leben,
von durstigen Küssen
und Mitternachts-Tränen,
von Meeren, die voll sind
mit Booten und Blumen,
und allem, was war
und niemals vergeht.
Vergiss die Spiegel,
vergiss, was sie sagen.
Sie kennen die Nächte,
doch nicht deine Fragen.
Das Meer bist du selber,
die Seele die Wellen.
Und irgendwo draußen
beginnt schon die Welt.
Das Meer bist du selber,
die Seele die Wellen.
Und kommt ein Segel
dich leise zu lieben,
all deine Träume
mit sich zu nehmen,
dann nimm es zärtlich
und halte es fest.
Und segle mit ihm
auf Sonnen davon,
auf strahlenden Sonnen,
die dich tragen,
solang dir dein Mond
noch gewogen ist,
solang du ihn liebst
und an Träume glaubst.
Vergiss die Spiegel,
vergiss, was sie sagen.
Sie kennen die Nächte,
doch nicht deine Fragen.
Das Meer bist du selber,
die Seele die Wellen.
Und irgendwo draußen
beginnt schon die Welt.
Vergiss auch den Lärm,
vergiss auch das Warten,
die Gedanken, die nächtens
nach deinem Schicksal fragen.
Die Stille kennt Wege,
die keiner dir zeigt,
dorthin, wo die Liebe
sich versteckt und gedeiht.
Und wenn du dann fortziehst
auf leisen Schwingen,
wirst du noch den Wind
in den Segeln erfühlen.
Die Wellen bewahren,
was du losgelassen,
und tragen es fort,
bis du leichter wirst.
Vielleicht ist die Sehnsucht
nur eine kleine Hand,
die dich aus der Dunkelheit
hinaus ins Freie zieht.
Vielleicht ist der Mond
nur ein Licht überm Wasser –
doch solange du ihn liebst,
verlierst du dich nicht.
Vergiss die Spiegel,
vergiss, was sie sagen.
Sie kennen die Nächte,
doch nicht deine Fragen.
Das Meer bist du selber,
die Seele die Wellen.
Und irgendwo draußen
beginnt schon die Welt.
Vergiss die Spiegel …
und geh in die Nacht.
Das Meer bist du selber.
Der Mond hält die Wacht.
Gedicht und Songtext entstanden nach Bildern aus dem gleichnamigen Gedicht „Vergiss die Spiegel“ von Albert C. Eibl aus dem Gedichtband „Mond und Meereswoge„, 2025 erschienen im Wieser Verlag.
Musikalisches Arrangement: W. S.
Musik: W. S. & Suno
Bild: Detail einer Aquarell-Demo von Chien Chung-Wei.