Das Offensichtliche ist schwer zu sehen.
Viele suchen lieber das Versteckte.
Das tat ich auch.
Ich lauschte den Bäumen.
Sie hatten ein Geheimnis.
Gerade waren sie dabei, es mir zu enthüllen –
doch dann schwiegen sie.
Der Sommer kam.
Und jeder Baum in meiner Straße
hatte seine eigene Scheherazade.
Meine Nächte hörten zu.
Wir drangen ein in dunkle Häuser,
mehr und mehr dunkle Häuser,
verstummt und verlassen.
Die Bäume warten auf die Nacht,
auf ihre wilden Geschichten.
Die Bäume warten auf die Nacht –
und ich mit ihnen.
Da war etwas geschloss’nen Auges,
oben in den Fluren.
Die Furcht davor –
und auch das Staunen hielten mich schlaflos.
„Die Wahrheit ist nackt und kalt“,
sagte die Frau, die immer Weiß trug.
Sie hat ihr Zimmer nie verlassen.
Die Bäume warten auf die Nacht,
auf ihre wilden Geschichten.
Die Bäume warten auf die Nacht –
und ich mit ihnen.
Die Sonne fiel auf ein, zwei Dinge,
die unberührt geblieben waren von der Nacht.
Diese einfachen Dinge.
Diese so einfachen Dinge.
So einfach und offensichtlich.
Sie machten kein Aufhebens.
Es war ein solcher Tag,
den manche als „perfekt“ beschreiben.
Verbergen sich Götter als schwarze Spange,
als kleiner Spiegel,
als Kamm mit einem ausgebroch’nen Zahn?
Nein.
Das kann es nicht gewesen sein.
Bloß Dinge sind sie, so wie sie sind,
nicht glanzvoll,
sondern schweigend im Licht des Tages.
Die Bäume warten auf die Nacht,
auf ihre wilden Geschichten.
Die Bäume warten auf die Nacht –
und ich mit ihnen.
Die Bäume warten auf die Nacht …
und ich mit ihnen.
Text: W. S. – Er beruht auf dem Gedicht „Das weiße Zimmer„.
Musikalisches Arrangement: W. S.
Musik: W. S. & Suno