Manche Tage öffnen sich wie Früchte,
Worte verstummen und verlieren sich,
doch ein bitterer Geschmack
bleibt tief in dir.
Spuren bleiben versteckt,
solange die Schatten schlafen,
in den Räumen deiner Erinnerung,
so kalt.
Wo die Zeit stillsteht
und doch weiterwächst,
wo etwas bleibt,
das keiner beim Namen kennt.
Ein Streifen Blau,
unendlich weit,
zieht über den Horizont
des Sommerregens.
Und hüllt die Rätsel deines Lebens
in seine Muster ein,
lässt noch das Echo
vergessenen Schmerzes tönen.
Doch hinter dem Nebel
schimmert ein Himmel,
als wollte er sagen:
Vergiss mich nicht.
Sie gleiten,
sie tauchen
durch spielende Winde,
und erinnern an hellere Tage.
Und wenn die Nacht
nun hereinbricht,
wird irgendwo
ein Licht wiederkehren.
Aus dem Dunkel
eines Tunnels aus Blättern
schreibt sich das Licht
in gewebte Hoffnung.
Sie wiegt sich wie Gras
im warmen Wind,
als wären alle Schlachten
längst geschlagen.
Und hoch am Himmel
steigen die Schwalben auf,
ihre Flügel tragen
tröstende Worte zu dir.
Sie gleiten,
sie tauchen
durch spielende Winde,
und erinnern an hellere Tage.
Und wenn die Nacht
nun hereinbricht,
wird irgendwo
ein Licht wiederkehren.
Vielleicht sind Erinnerungen
nur Flügel,
von denen wir manchmal
nicht glauben,
dass sie uns tragen.
Vielleicht nehmen sie uns mit –
gerade dann,
wenn wir ihnen nicht mehr vertrauen.
Hoch über den Dächern
ziehen die Schwalben ihre Kreise,
als wüssten sie längst,
was wir vergessen:
Auch wenn eine Nacht
nun hereinbricht,
wird das Licht
wiederkehren.
Sie gleiten,
sie tauchen
durch spielende Winde.
Und irgendwo
zwischen gestern und morgen
schlägt ein Flügel.
Und das Licht
kehrt doch wieder.
Gedicht und Songtext entstanden nach Bildern aus dem Gedicht „Les jours peuvent s’ouvrir comme des fruits“ von Werner Renfer, abgedruckt im Gedichtband „Ein Seidenfaden zu den Träumen„, herausgegeben von Usama Al Shahmani, 2025 erschienen im Limmat Verlag. Werner Renfer wurde 1898 in Corgémont geboren und war ein französischsprachiger Schweizer Schriftsteller. Er wuchs auf einem Bauernhof auf und hielt sich nach der Schulzeit zunächst in Südfrankreich auf, bevor er ein Brotstudium zum Agronom in Zürich begann. Er brach aber das Studium ab, brannte mit seiner Frau nach Frankreich durch, um im Paris der 1920er Jahre Künstler zu werden, wobei er aber scheiterte. Nach Wiederaufnahme des Studiums in Zürich trat er schließlich in die Redaktion einer Lokalzeitung ein und versuchte nebenher literarisch zu schreiben und das abgelegene Vallon de Saint-Imier kulturell zu beleben. 1933 brachte er drei Bände in Druck, den Roman Hannebarde, den Novellenband La beauté du monde und den Gedichtband La tentation de l’aventure. Renfer starb 1936 in seinem 38. Lebensjahr an Erschöpfung.
Textfassung: W. S.
Musikalisches Arrangement: W. S.
Musik: W. S. & Suno
Als englischer Songtext: Wings of Memory.