Die Möwen stehen über dem Fluss im Wind
und halten für einen Augenblick
die Zeit an.
Das Herbstlicht ist müde
und verliert sich
im Grau ihres Gefieders.
Was vorüber war,
steigt langsam wieder auf,
in Wolken, die sich schichten,
in Bildern ohne Namen.
Und aus der Dämmerung
kommt diese fremde Sanftheit
deiner Augen –
als könntest du noch einmal
dein altes Leben berühren.
Möwen über dem Fluss,
Möwen über dem Wasser,
sie kommen und fliegen davon.
Manche rücken näher zusammen,
manche ziehen ihre Kreise,
manche suchen das andere Ufer.
Möwen über dem Fluss,
und ich weiß nicht, wohin
die Erinnerung zieht.
Nur der Wind weiß noch,
was bleibt,
wenn die Zeit weiterfließt.
Am Rande unsres Weges
tummeln sich die Illusionen
wie geschwätzige Möwen
am abendlichen Pier.
Wenn wir ihnen nahekommen,
fliegen sie ängstlich auf
und kreisen suchend
über dem dunklen Wasser.
Nur manche von den alten
lassen sich nicht vertreiben.
Sie sitzen still am Ufer
und sehen uns an
aus blinden Augen,
als könnten sie noch immer
unsre Trauer spüren.
Möwen über dem Fluss,
Möwen über dem Wasser,
sie kommen und fliegen davon.
Manche rücken näher zusammen,
manche ziehen ihre Kreise,
manche suchen das andere Ufer.
Möwen über dem Fluss,
und ich weiß nicht, wohin
die Erinnerung zieht.
Nur der Wind weiß noch,
was bleibt,
wenn die Zeit weiterfließt.
Aufgereiht wie die Möwen
am Ufer des Flusses
stehen die Erinnerungen
am Ufer des Lebens.
Aus der Ferne
gleichen sie einander,
wie Wellen im Kies,
die kommen und gehen.
Und wenn ein träges Schiff
ihr geschäftiges Treiben stört,
fliegen manche kurz auf
und tauschen die Plätze.
Ein Tanz von Kommen und Fliehen.
Träger Strom
der tanzenden Möwen –
wohin trägst du das Heute?
Das Gestern schläft längst
im kühlen Bett
der dunklen Tiefe.
Und selbst ihr seltener Schrei
vermag das Gestern nicht mehr
aus dem Nichts zu rufen.
Nur Schatten flimmern
über dem Wasser,
und irgendwo dahinter
schweigt schon die Nacht.
Möwen über dem Fluss,
Möwen über dem Wasser,
sie kommen und fliegen davon.
Manche suchen das andere Ufer,
manche bleiben im Wind,
manche kehren niemals wieder.
Möwen über dem Fluss –
und vielleicht ist es genug,
dass sie noch einmal kommen.
Denn was wir verloren,
fliegt manchmal noch neben uns her,
solange der Fluss
unsere Namen kennt.
Die Nacht legt ihre schwarzen Flügel
über das Wasser.
Und irgendwo im ersten Licht
beginnen die Möwen
wieder zu kreisen.
Kommen und fliehen.
Kommen und fliehen.
Der Fluss fließt weiter.
Text: W. S. – Er beruht auf mehreren Gedichten, in denen Möwen und der Fluss miteinander spielen.
Musikalisches Arrangement: W. S.
Musik: W. S. & Suno