Sie sagten:
Steh aufrecht.

Als könnte man
einen Menschen
mit geraden Linien
erklären.

Ich habe versucht,
eurem Blick
zu entsprechen.

Lange.

Ich stehe noch.

Ich lernte
eure Sprache.

Ich nickte
an den richtigen Stellen.

Ich schwieg,
wenn Schweigen leichter war
als ich selbst.

Und eines Tages
hörte ich mich reden,
ohne mich zu erkennen.

Ich stehe noch.

Man sieht keine Risse,
wenn sie nach innen wachsen.

Nur dieses kleine Zögern,
bevor einer sagt:
»Mir geht es gut.«

Und alle glauben es.

Ich stehe noch.

Heute
muss ich nichts mehr beweisen.

Nicht, dass ich stark bin.
Nicht, dass ich passe.
Nicht einmal,
dass ich recht habe.

Es genügt,
dass ich meine eigene Stimme
wiedererkenne.

Ich stehe noch.

Vielleicht
heißt Aufrechtsein
gar nicht,
niemals
zu fallen.
Vielleicht
heißt es,
sich irgendwann
nicht mehr nach fremden Augen
zu richten.

Ich stehe noch.




Text & Musik: W. S. & Suno
Arrangement: Werner Stangl, Linz.
Chansontext nach den beiden Gedichten Resonanzkörper und Aufrecht.

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