Wings of Memory

Manche Tage öffnen sich wie Früchte,
Worte verstummen und verlieren sich,
doch ein bitterer Geschmack bleibt tief in dir.
Spuren, versteckt, wo die Schatten schlafen,
in den Ecken deines Erinnern, so kalt,
wo die Zeit stillsteht und doch weiter wächst.

Ein Streifen, blau und unendlich weit,
zieht über die Mauer der Sommerflut,
umhüllt die Rätsel deines Lebens mit Regen,
hinterlässt das Echo vergessenen Schmerzes.
Durch den Nebel hindurch schimmert ein Himmel noch,
als wollte er dich aus deinen Träumen verjagen.

Aus dem Dunkel eines Tunnels aus Blättern,
schreibt das Licht, gewebte Hoffnungen,
die sich wie Gräser in der Sonne wiegen,
als ob alle Schlachten geschlagen wären.
Im Flug der Schwalben, die aufsteigen,
rufen ihre Flügel dir tröstende Worte zu.

Sie gleiten, sie tauchen durch spielende Winde,
und erinnern an hellere Tage.
Auch wenn die Nacht nun hereinbricht,
wird das Licht doch wiederkehren.


Als Songtext: Wings of Memory.

Gedicht und Songtext entstanden nach Bildern aus dem Gedicht „Les jours peuvent s’ouvrir comme des fruits“ von Werner Renfer, abgedruckt im Gedichtband „Ein Seidenfaden zu den Träumen„, herausgegeben von Usama Al Shahmani, 2025 erschienen im Limmat Verlag. Werner Renfer wurde 1898 in Corgémont geboren und war ein französischsprachiger Schweizer Schriftsteller. Er wuchs auf einem Bauernhof auf und hielt sich nach der Schulzeit zunächst in Südfrankreich auf, bevor er ein Brotstudium zum Agronom in Zürich begann. Er brach aber das Studium ab, brannte mit seiner Frau nach Frankreich durch, um im Paris der 1920er Jahre Künstler zu werden, wobei er aber scheiterte. Nach Wiederaufnahme des Studiums in Zürich trat er schließlich in die Redaktion einer Lokalzeitung ein und versuchte nebenher literarisch zu schreiben und das abgelegene Vallon de Saint-Imier kulturell zu beleben. 1933 brachte er drei Bände in Druck, den Roman Hannebarde, den Novellenband La beauté du monde und den Gedichtband La tentation de l’aventure. Renfer starb 1936 in seinem 38. Lebensjahr an Erschöpfung.